
Der Rat der Europäischen Union hat seinen „Forward Look“ für den Zeitraum 1. bis 14. Juni veröffentlicht und bestätigt, dass die Innenminister am 4. Juni eine Sondersitzung zur Lage des Schengen-Raums abhalten werden. Auf der Agenda stehen die erste operative Überprüfung des biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES), die abschließende Vorabprüfung der Reisegenehmigungsplattform ETIAS sowie eine Bestandsaufnahme des neu verabschiedeten Migrations- und Asylpakts. Polen, vertreten durch Innenminister Tomasz Siemoniak, wird voraussichtlich mehr Mittel fordern, um den Staaten an den Außengrenzen zu helfen, die EES-Infrastruktur vor der Hauptreisezeit zu optimieren. Polnische Fluggesellschaften und Flughäfen beklagen, dass das EES die Abfertigungszeiten für Drittstaatsangehörige um bis zu 300 % verlängert hat. Warschau argumentiert, dass zusätzliche EU-Mittel benötigt werden, um Grenzbeamte einzustellen und zu schulen sowie mehr e-Gates an Regionalflughäfen wie Gdańsk und Katowice zu installieren. Die Kommission hat signalisiert, dass sie bereit ist, ungenutzte Mittel aus dem Fonds für innere Sicherheit (ISF) umzuschichten, sofern die Mitgliedstaaten eine „schnelle Wirkung“ nachweisen können. Die Minister werden zudem über den rechtlichen Status von 1,3 Millionen ukrainischen Staatsbürgern debattieren, die seit März 2022 vorübergehenden Schutz in der EU genießen. Polen, das den größten Anteil beherbergt, fordert einen klaren, mehrjährigen Aufenthaltsweg, der Arbeitgeber von wiederholtem bürokratischem Aufwand entlastet und den geflüchteten Fachkräften eine größere Mobilität auf dem Arbeitsmarkt im gesamten EU-Binnenmarkt ermöglicht. Für multinationale Unternehmen mit Niederlassungen in Polen ist das Treffen in dreifacher Hinsicht von Bedeutung: Erstens bestimmen mögliche Anpassungen bei EES oder ETIAS die Aktualisierung der Reise- und Personalpolitik. Zweitens würde eine klarere Aufenthaltsregelung für Ukrainer den angespannten polnischen Arbeitsmarkt, insbesondere in IT und Produktion, stabilisieren. Drittens könnte der Fortschritt im Schengen-Governance-Zyklus darüber entscheiden, ob Polen seine eigenen Grenzkontrollen zu Deutschland und Litauen noch in diesem Jahr aufhebt.