
Bei einem Gespräch mit Journalisten in Brasília am Abend des 22. Juli betonte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, dass Brasilien „den Verhandlungstisch“ mit den Vereinigten Staaten bezüglich des neuen Zollregimes „nicht verlassen wird“. „Sie sind eingeladen, zu beweisen, dass sie irgendeine Rechtfertigung hatten. Wir bleiben am Tisch und schlagen Lösungen vor“, sagte Lula und stellte den Dialog als erste Verteidigungslinie dar, während gleichzeitig Gegemaßnahmen ausgearbeitet werden. Die Haltung des Präsidenten – die frühere Äußerungen von Vizepräsident Geraldo Alckmin widerspiegelt – signalisiert, dass Brasília einen umfassenden Handelskrieg vermeiden möchte, der auch Mobilitätsbereiche wie Visa und Luftverkehrsabkommen betreffen könnte. Bei derselben Pressekonferenz bestätigte Lula, dass die Regierung die tatsächlichen Auswirkungen der Zölle sektorweise analysiert, bevor entschieden wird, welche Gegenmaßnahmen – Zölle, Quoten oder konsularische Gebühren – verhältnismäßig sind. Für multinationale Arbeitgeber ist die Botschaft zwiespältig. Einerseits verringert der fortgesetzte Dialog die unmittelbare Unsicherheit bezüglich Reise- und Aufenthaltsgenehmigungen für US-Fachkräfte in Brasilien. Andererseits bekräftigte der Präsident, dass „alle Instrumente des Reziprozitätsgesetzes weiterhin zur Verfügung stehen“, was die Möglichkeit höherer Visakosten offenhält. Handelsverbände begrüßten Lulas versöhnlichen Ton, forderten jedoch eine rasche Klarstellung, um Lieferkettenplanern, Exporteuren und Mobilitätsabteilungen ausreichend Zeit zur Anpassung vor den intensiven Rotationen im vierten Quartal zu geben. Personalberater weisen darauf hin, dass sich die Bearbeitungszeiten für Visa bei der letzten Änderung der Reziprozitätsgebühren 2018 deutlich verlängerten; eine frühzeitige Personalplanung ist daher unerlässlich. Die Regierung wird voraussichtlich innerhalb von zehn Arbeitstagen vorläufige Auswirkungen und ein Paket mit Gegenmaßnahmen veröffentlichen.
Quelle: Folha de S.Paulo
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