
Drei Tage nach dem Tod von mindestens 70 Menschen bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen, hat die marokkanische Regierung noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben – ein Schweigen, das spanische Diplomaten als „tief beunruhigend“ bezeichnen. Progressive marokkanische Medien und die Oppositionspartei Parti du Progrès et du Socialisme brechen mit der offiziellen Linie, machen Jugendarbeitslosigkeit und Ungleichheit für die Fluchtwelle verantwortlich und fordern Rabat auf, seine Rolle zu erklären. Spanische Außenpolitiker befürchten, dass die Informationssperre gemeinsame Untersuchungen der Todesfälle erschweren und die Rückführung der Leichen komplizieren könnte. Die Ereignisse fallen in eine Zeit, in der Marokko im Oktober Parlamentswahlen abhält, bei denen Migrationsmanagement und die Beziehungen zu Spanien zentrale Themen sind. Wirtschaftsverbände sorgen sich, dass die eskalierende Rhetorik den jüngsten Fortschritt bei Infrastrukturprojekten über die Meerenge gefährden könnte, darunter der geplante Unterseekabel-Stromverbinder und die Modernisierung der Bahnstrecke Tanger–Algeciras – beides entscheidend für spanische Exporteure. Ein diplomatischer Stillstand könnte auch die Saisonarbeitsprogramme beeinträchtigen, die jährlich rund 20.000 marokkanische Landarbeiter nach Andalusien bringen. Für Fachleute im Bereich globale Mobilität könnte der verschlechterte Dialog längere Bearbeitungszeiten bei Visa in den spanischen Konsulaten in Casablanca und Tanger sowie strengere Prüfungen der Arbeitsvertragsunterlagen bedeuten. Unternehmen sollten mit möglichen Verzögerungen rechnen und alternative Arbeitskräftequellen offenhalten. EU-Beobachter weisen darauf hin, dass Spanien historisch auf Marokko als Partner zur Kontrolle irregulärer Abreisen angewiesen ist; das anhaltende Schweigen aus Rabat könnte auf eine Neubewertung dieser Zusammenarbeit hindeuten, mit möglichen Auswirkungen auf die gesamte Migrationsroute im westlichen Mittelmeerraum.
Quelle: El País