
Die Europäische Union bestätigte am 28. April 2026, dass ihr digitales Ein- und Ausreisesystem (EES) nun an allen Schengen-Außengrenzen in Betrieb ist und die manuelle Passkontrolle für Drittstaatsangehörige, darunter auch Brasilianer, ersetzt. Laut einer Analyse des Forschungsdienstes des Europäischen Parlaments wurden in den ersten Wochen bereits über 52 Millionen Grenzübertritte im System erfasst. Das EES speichert bei der ersten Einreise biometrische Gesichtsdaten sowie vier Fingerabdrücke und registriert automatisch jede anschließende Ausreise oder Einreiseverweigerung. Reisende können sich bei der Ankunft registrieren oder, wo möglich, vorab online anmelden. Grenzbeamte nutzen das System, um die 90/180-Tage-Aufenthaltsregel zu berechnen und Überzieher sofort zu identifizieren, wodurch der Ermessensspielraum an der Grenze reduziert wird. Für brasilianische Staatsbürger, die weiterhin visumfrei für Kurzaufenthalte bleiben, bedeutet die Neuerung vor allem mehr Zeit: Die erstmalige Registrierung kann pro Reisendem fünf bis zehn Minuten zusätzlich in Anspruch nehmen. Reiseverantwortliche sollten daher empfehlen, bei Flugverbindungen innerhalb Europas größere Zeitpuffer einzuplanen, bis sich das Passagieraufkommen stabilisiert hat. Fluggesellschaften, die nach Lissabon, Madrid und Paris fliegen – den drei wichtigsten Einreisepunkten für Brasilianer – haben bereits vor möglichen Boarding-Zeitgrenzen gewarnt. Blickt man voraus, plant die EU die Einführung der ETIAS-Reisegenehmigung Ende 2026. Sobald ETIAS aktiv ist, benötigen Brasilianer neben der EES-Registrierung auch eine Online-Vorabgenehmigung (voraussichtlich mit einer Gebühr von 7 €). Unternehmen, die Projektteams durch Europa rotieren lassen, sollten ihre Einwanderungskalender jetzt aktualisieren, um bei der parallelen Nutzung beider Systeme keine Compliance-Probleme zu riskieren.
Quelle: European Parliament Think Tank