
Im jüngsten Zeichen zunehmenden „hybriden“ Drucks an der östlichen Grenze der Europäischen Union haben polnische Grenzbeamte am 25. Februar 2026 einen verstärkten Tunnel unter der Grenze zu Belarus in der Woiwodschaft Podlachien entdeckt. Der etwa 60 Meter lange und 1,5 Meter hohe Durchgang war mit Betonsicherungen und versteckten Zugängen ausgestattet, was Schmugglern ermöglichte, Gruppen von Migranten unbemerkt unter dem 2022 errichteten milliardenschweren Grenzzaun zu bewegen. Nach Angaben der Behörden passierten mindestens 180 Personen, hauptsächlich aus Afghanistan und Pakistan, den Tunnel, bevor eine Wärmebilddrohne ungewöhnliche Hitzequellen registrierte. Ingenieure der polnischen Territorialverteidigung füllten den Tunnel inzwischen mit aufschäumendem Schaumstoff, und seismische Sensoren wurden installiert, um weitere Grabungen frühzeitig zu erkennen. Vize-Innenminister Czesław Mroczek wertete den Fund als Beleg dafür, dass Belarus mit russischer Unterstützung Migration als „Waffe“ gegen Polen einsetzt – eine Anschuldigung, die Minsk zurückweist. Der Vorfall verschärft die diplomatischen Spannungen nur wenige Wochen, nachdem Warschau die vorübergehenden Grenzkontrollen zu Deutschland und Litauen verlängert hatte, mit der Begründung, dass Menschenhändlerringe die Routen nach Westen verlagern. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson äußerte „ernste Besorgnis“ und kündigte verstärkte Frontex-Überwachungsmaßnahmen an. Für Unternehmen hat die Entwicklung zwei unmittelbare Folgen: Erstens müssen Spediteure, die auf die Grenzübergänge Kuźnica und Bobrowniki angewiesen sind, mit verstärkten Stichprobenkontrollen rechnen, die die Lieferzeiten in den Automobil- und FMCG-Lieferketten um Stunden verlängern können. Zweitens sehen sich im Grenzgebiet ansässige ausländische Mitarbeiter mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen konfrontiert, darunter Ausweiskontrollen und Zugangsbeschränkungen, die Wohn- und Schulangelegenheiten erschweren könnten. Langfristig beschleunigt Polen die Pläne für ein unterirdisches Sensorsystem ähnlich dem an der US-mexikanischen Grenze, das teilweise durch EU-Instrumente für integriertes Grenzmanagement finanziert wird. Zudem arbeitet die Regierung an einem Gesetzesentwurf, der die Erleichterung illegaler Einreisen über unterirdische Wege als eigenständiges Verbrechen mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft.
Quelle: Open.kg News