
Nach einem Jahrzehnt aggressiven Wachstums erlebt Australiens internationaler Bildungssektor nun eine Abkühlung. Eine Analyse von MacroBusiness zeigt, dass die Ablehnungsquote für Studentenvisa im Bereich Hochschulbildung im Februar 2026 auf 32,5 Prozent gestiegen ist – der höchste Wert seit 2006. Grund dafür ist die Verschärfung der Risikobewertungen durch die Regierung Albanese für wichtige Herkunftsländer wie Indien, Nepal und Bangladesch. Diese politische Kehrtwende hebt die Regelungen von 2025 auf, die es Universitäten erlaubt hatten, ihre Kontingente um bis zu 15 Prozent zu überschreiten, bevor es zu Verzögerungen bei der Bearbeitung kam. Das Innenministerium stuft mehrere südasiatische Märkte nun als Evidenzstufe 3 (höchstes Risiko) ein und verschärft die finanziellen und englischsprachlichen Nachweispflichten. Zudem hat die Regierung im letzten Monat die Gebühr für das Temporary Graduate-Visum (Subclass 485) auf 4.600 AUD verdoppelt, womit die Arbeitsrechte nach dem Studium zu den teuersten in der OECD zählen. Universitäten, die ihr Geschäftsmodell auf eine hohe Studierendenanzahl aufgebaut haben, stehen vor schmerzhaften Anpassungen. Einige rechnen mit einem Rückgang der Studienanfängerzahlen im Juli 2026 um 10 bis 15 Prozent, was eine Neubewertung von Lehrbudgets und Wohnprojekten erfordert. Gleichzeitig könnte die australische Wirtschaft weniger Absolventen mit inländischer Studienerfahrung finden, was den Wettbewerb um Talente verschärft. Bildungsexperten warnen angehende Studierende vor längeren Bearbeitungszeiten, höheren Anforderungen an den finanziellen Nachweis und einem strengeren „Genuine Student Test“. Bildungseinrichtungen reagieren darauf, indem sie ihre Marketingaktivitäten auf risikoärmere Regionen verlagern und die Vorauswahl verschärfen, um Anträge zu vermeiden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden.
Quelle: MacroBusiness