
Ab dem 10. April ist das lang geplante Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union an allen externen Schengen-Grenzen vollständig in Betrieb gegangen. Manuelle Passstempel werden durch Gesichtserkennung und Fingerabdruckerfassung ersetzt. Für die 1,4 Millionen Australier, die jährlich nach Europa reisen, ist dies die bedeutendste Verfahrensänderung seit der Einführung der visafreien Schengen-Reise im Jahr 2001. Laut The Guardian werden Nicht-EU-Passagiere – darunter auch Australier auf Geschäfts- oder Urlaubsreisen – bei der ersten Einreise an einer externen Schengen-Grenze biometrisch erfasst. Bei weiteren Reisen innerhalb von drei Jahren genügt ein schneller Abgleich des Gesichts. Flughäfen bereiten sich jedoch auf anfängliche Probleme vor: Die Branchenorganisation ACI Europe warnt, dass die Abfertigungszeiten an einigen Drehkreuzen bereits auf bis zu zwei Stunden angestiegen sind. Airlines for Europe und IATA befürchten „erhebliche Störungen“ im kommenden Sommer, sofern das Personal nicht aufgestockt wird. Smartraveller, Australiens offizieller Reiseinformationsdienst, rät Reisenden, mehr Zeit einzuplanen und Nachweise über Unterkunft, Weiterreise und Krankenversicherung bereitzuhalten, da Grenzbeamte während der Eingewöhnungsphase des Systems voraussichtlich detailliertere Fragen stellen werden. Eine Vorregistrierung ist über eine begrenzte Pilot-App in Schweden und Portugal möglich, jedoch noch nicht an stark frequentierten Flughäfen wie Frankfurt, Paris oder Amsterdam. Für Mobility Manager verschärfen die neuen Kontrollen die Berechnung der 90/180-Tage-Aufenthaltsregel: Die automatisierte Datenbank meldet Überziehungen sofort, was die Flexibilität für Projektteams einschränkt, die bisher auf das Ehrensystem vertrauten. Arbeitgeber sollten die Schengen-Tage ihrer Entsandten genau prüfen und sicherstellen, dass Auftragnehmer bei Kurzzeitprojekten regelkonform rotieren. Die biometrische Genauigkeit hat zudem Datenschutzfolgen – Experten der University of New South Wales weisen darauf hin, dass kompromittierte Fingerabdrücke nicht „neu ausgegeben“ werden können, und empfehlen Unternehmen, ihre Datenschutzunterweisungen zu aktualisieren. Der nächste Schritt Europas ist ETIAS, eine kostenpflichtige Reisegenehmigung ähnlich dem australischen ETA, die nun für Ende 2026 geplant ist. Zusammen mit dem EES wird sie das bislang umfassendste Bild der australischen Reisedaten auf dem Kontinent liefern, sodass Compliance und Warteschlangenmanagement künftig noch wichtiger werden.
Quelle: The Guardian
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