
Russische Reiseveranstalter warnen, dass der Anteil der Mehrfacheinreise-Schengen-Visa für ihre Kunden im Vergleich zu Anfang 2025 um mindestens 90 Prozent eingebrochen ist, wie aus Daten der Wirtschaftsagentur AK&M vom 13. Juni hervorgeht. Italien, Frankreich und Spanien bleiben die beliebtesten Reiseziele, doch Bewerber sehen sich nun mit monatelangen Wartezeiten für Termine in Moskau und fünf Wochen in regionalen Zentren konfrontiert. Die Konsulate erteilen überwiegend Einreise- oder höchstens Zweieinreisevisa, die strikt auf die Reisedaten begrenzt sind. Brancheninsider berichten, dass das Konsularpersonal unter informellem Druck steht, Visa mit langer Gültigkeit zu minimieren, solange die politischen Spannungen wegen der Ukraine anhalten. Diese politische Wende veranlasst Reiseunternehmen, ihre Kunden vermehrt nach Griechenland und Ungarn umzuleiten, wo Termine schneller vergeben und Bearbeitungszeiten von nur zehn Tagen möglich sind. Für italienische Incoming-Veranstalter ist der Trend ambivalent: Einerseits erhalten weniger Russen die bevorzugten Jahresvisa, die bei wiederkehrenden Luxusreisenden beliebt sind, was potenziell zu weniger hochpreisigen Ankünften führt. Andererseits könnte Italiens vergleichsweise bessere „Visa-Verfügbarkeit“ gegenüber Frankreich oder Spanien kurzfristige Sommerbuchungen sichern – vorausgesetzt, Bewerber bekommen vor Juli noch Termine. Firmen, die russische Spezialisten zu italienischen Standorten entsenden, berichten, dass die Einreisebeschränkungen mit nur einem Eintrag die Organisation von Schengen-internen Reisen zu Meetings in Frankreich oder Deutschland erschweren. Experten empfehlen, wenn möglich, das italienische nationale Arbeitsvisum (Visto D) zu beantragen, um die Schengen-Beschränkungen zu umgehen und Mehrfacheinreisegenehmigungen von bis zu zwei Jahren zu erhalten. Branchenvertreter rechnen damit, dass die Einschränkungen bei Mehrfacheinreisevisa mindestens bis zum ersten Quartal 2027 anhalten werden, wenn die neue EU-Reisegenehmigung ETIAS für visumfreie Staatsangehörige die politische Aufmerksamkeit vom regulären Visacode ablenkt.
Quelle: AK&M Information Agency
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