
Daten, die am 23. Juni 2026 von der russischen Wirtschaftsagentur AK&M veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Schengen-Staaten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 nur 48.000 Mehrfacheinreisevisa an russische Staatsbürger ausgestellt haben – ein Rückgang von 90 % im Vergleich zu den Vorkriegszeiten. Konsularische Quellen führen den Einbruch auf strengere Kontrollen, längere Bearbeitungszeiten und im Fall Finnlands auf ein seit dem 1. Juni 2026 geltendes Verbot von nicht-biometrischen russischen Pässen zurück. Die finnischen Vertretungen in Moskau, St. Petersburg und Petrosawodsk, die früher jährlich Zehntausende Touristen- und Geschäftsvisa bearbeiteten, nehmen nun nur noch Anträge für zwingend notwendige Reisen von Russen an, die überzeugende familiäre, humanitäre oder berufliche Gründe vorweisen können. Ein Sprecher des finnischen Außenministeriums erklärte gegenüber AK&M, dass „die Sicherheitsüberprüfungen verstärkt wurden und zusätzliche Unterlagen zur Bestätigung des Reisegrundes angefordert werden können.“ Logistikunternehmen auf beiden Seiten der Grenze berichten, dass der Geschäftsreiseverkehr – entscheidend für Wartung von Anlagen und Lieferkettenprüfungen – stark zurückgegangen ist. Finnische Exportfirmen in Russland setzen zunehmend auf lokal eingestellte Mitarbeiter oder Fernwartung, anstatt finnische Techniker zu entsenden, während russische Ingenieure für Besuche in finnischen Werken oft Umwege über Istanbul oder Belgrad in Kauf nehmen müssen. Für Mobility-Teams in Unternehmen bedeutet die neue Realität, mindestens sechs bis acht Wochen für ein Schengen-Visum russischer Staatsbürger einzuplanen – inklusive der Möglichkeit einer Ablehnung. Arbeitgeber sollten zudem die Pässe ihrer Mitarbeiter prüfen: Inhaber älterer, nicht-biometrischer russischer Pässe müssen vor der Antragstellung für ein finnisches oder anderes Schengen-Visum einen biometrischen Pass beantragen. Grenzüberschreitende Pendlerprogramme und nordische Pendlerregelungen sind faktisch ausgesetzt, bis eine politische Entspannung eine Rückkehr zu regulären Visaerleichterungen ermöglicht. Der drastische Rückgang der Mehrfacheinreisevisa verdeutlicht einen grundlegenden Wandel: Schengen-Mobilität ist für russische Geschäftsreisende nicht mehr selbstverständlich, und Finnlands vormals lebendige Grenzregion steht vor einer langwierigen Umstellung.
Quelle: AK&M News
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