
Der tschechische Innenminister Lubomír Metnar nutzte den informellen Rat für Justiz und Inneres am Donnerstag in Dublin, um eine stärkere Nutzung der EU-Visapolitik als Sicherheitsinstrument zu befürworten. Bei seinem Treffen mit den Amtskollegen am 16. Juli 2026 plädierte Metnar dafür, gezielte Visabeschränkungen – wie längere Bearbeitungszeiten oder verkürzte Gültigkeitsdauern – gegen Drittländer einzusetzen, die organisierte kriminelle Netzwerke oder den Handel mit harten Drogen in die Union erleichtern. Nach Angaben der tschechischen Delegation diskutierten die Minister, wie die bevorstehende Überarbeitung des Schengen-Visakodex „gestufte Gegenmaßnahmen“ verankern könnte, die von der Aussetzung der Visagebührenbefreiung für Diplomaten bis hin zur vollständigen Aussetzung von Visaerleichterungsabkommen reichen. Prag setzt sich seit langem für einen „flexiblen, aber durchsetzbaren“ Maßnahmenkatalog ein, der den Mitgliedstaaten erlaubt, schnell zu reagieren, wenn Geheimdiensterkenntnisse auf konkrete Sicherheitsbedrohungen hinweisen. Metnar erklärte gegenüber Journalisten, Tschechien unterstütze „vollumfänglich, der EU die nötigen Hebel zu geben“ und sei bereit, neue Regeln unverzüglich nach ihrer Verabschiedung in Brüssel anzuwenden. Zudem wurde die operative Zusammenarbeit mit privaten Logistik- und Fintech-Unternehmen erörtert, deren Plattformen zunehmend von kriminellen Gruppen missbraucht werden. Die Minister einigten sich darauf, noch vor Ende 2026 eine gemeinsame Taskforce einzurichten. Für Manager globaler Mobilität ist die politische Botschaft klar: Visaprozesse könnten künftig eine vordergründige Sicherheitsprüfung darstellen und nicht nur eine Formalität sein. Unternehmen mit globalen Rotationsprogrammen sollten mit häufigeren Hintergrundprüfungen und möglichen Verzögerungen bei der Bearbeitung von Mitarbeitern aus als risikoreich eingestuften Regionen rechnen. Multinationale Unternehmen mit Sitz in Tschechien wird empfohlen, die Unterlagen zur Mitarbeiterüberprüfung griffbereit zu halten und die kommenden EU-Rechtsakte genau zu verfolgen, um Mobilitätspolitiken rechtzeitig anzupassen. Obwohl in Dublin keine unmittelbaren regulatorischen Änderungen beschlossen wurden, ebnet der erzielte Konsens den Weg für einen Verordnungsentwurf Anfang 2027. Interessierte Akteure haben ein enges Zeitfenster, um über das öffentliche Konsultationsportal der Europäischen Kommission, das voraussichtlich im September öffnet, Rückmeldungen zu geben.