
In zwanzig tschechischen Städten haben am 21. Februar 2026 Tausende Menschen den vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine begangen. Die größte Kundgebung auf dem Prager Altstädter Ring zog schätzungsweise 8.000 Teilnehmer an und beinhaltete Reden von Präsident Petr Pavel und dem ukrainischen Botschafter Vasyl Zvarych. Die Veranstalter – darunter Člověk v tísni und der Europäische Kongress der Ukrainer – hoben besonders den wirtschaftlichen und kulturellen Beitrag der 400.000 Ukrainer hervor, die derzeit mit einem vorübergehenden Schutzstatus in Tschechien leben. Präsident Pavel dankte den Bürgern dafür, „nicht der Ermüdung nachgegeben zu haben“ und betonte, dass die Integration von Geflüchteten „eine Investition und keine Belastung“ sei. Er bekräftigte den Koalitionsplan, den vorübergehenden Schutz in eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis mit Beschäftigungsbindung umzuwandeln – eine Maßnahme, die von Wirtschaftsverbänden stark unterstützt, von der nationalistischen SPD jedoch abgelehnt wird. In Brünn wiesen Redner der Ukrainischen Initiative Südmährens darauf hin, dass die Erwerbsbeteiligung der Ukrainer inzwischen 53 Prozent erreicht hat und sie mehr Steuern zahlen, als der Staat für Sozialleistungen ausgibt. Über symbolische Bedeutung hinaus dienten die Kundgebungen als lebendige Informationsmessen: NGOs boten an Ständen rechtliche Beratung zur digitalen Visaverlängerung an, während Arbeitgeber aus Bau- und Sozialbranche Lebensläufe sammelten. In Olmütz organisierte ein „Job-Matching-Zelt“ 120 Vorstellungsgespräche vor Ort und zeigte, wie sich bürgerschaftliches Engagement und Fachkräftegewinnung in einem angespannten Arbeitsmarkt zunehmend überschneiden. Mobilitätsexperten auf der Prager Veranstaltung berichteten von großem Interesse an Tschechischkursen und arbeitgeberfinanzierten Ausbildungsprogrammen. Die Sicherheitslage blieb weitgehend ruhig, doch die Polizei erinnerte die Veranstalter daran, dass ab April 2026 alle Großveranstaltungen mit erwarteten ausländischen Teilnehmern gemäß dem geänderten Versammlungsgesetz vorab angemeldet werden müssen – Teil einer umfassenderen Maßnahme zur Synchronisierung von Migrationskontrolle und Veranstaltungsmanagement. Unternehmen, die Mitarbeiter für kurzfristige Einsätze einfliegen lassen, sollten daher frühzeitig mit den Gastgebern koordinieren. Die Kundgebungen dienten auch als Stimmungsbarometer: Eine am selben Abend veröffentlichte Blitzumfrage von STEM ergab, dass 71 Prozent der Tschechen weiterhin humanitäre und militärische Hilfe für die Ukraine unterstützen – ein Anstieg um drei Punkte seit November. Für Arbeitgeber bedeutet die anhaltende öffentliche Unterstützung ein geringeres Reputationsrisiko bei der Einstellung ukrainischer Fachkräfte und signalisiert politischen Spielraum für weitere Vereinfachungen bei Arbeitserlaubnisverfahren.
Quelle: ČeskéNoviny / ČTK