
Nur wenige Stunden vor dem ursprünglich geplanten Starttermin veröffentlichte das brasilianische Tourismusministerium am 2. März 2026 eine Verordnung, die Hotels eine zusätzliche Frist von 60 Tagen einräumt, um sich mit der neuen digitalen Plattform Ficha Nacional de Registro de Hóspedes (FNRH) zu verbinden. Das Cloud-System, entwickelt von der staatlichen IT-Firma Serpro, ersetzt die bisher bei der Ankunft erforderliche Papier-Gästekarte und übermittelt Echtzeitdaten an die Bundespolizei und die Steuerbehörden. Die Verschiebung folgt auf Rückmeldungen aus Pilotprojekten großer Hotelketten in Rio und São Paulo, die Schnittstellenprobleme und Schwierigkeiten bei der Integration von Property-Management-Systemen über die FNRH-API meldeten. Durch die Verlegung der Frist auf Ende Mai hoffen die Behörden, die chaotischen Engpässe am „Tag eins“ zu vermeiden, wie sie bei der Einführung einer ähnlichen Plattform in Mexiko 2024 auftraten. Im März und April werden nun eine Reihe von zweisprachigen Webinaren sowie ein englischsprachiger Entwicklerleitfaden angeboten. Für Reisende ist die Änderung derzeit kaum spürbar, wird aber künftig bedeutend: Nach dem Start ermöglicht FNRH Digital die Vorab-Eingabe der Gästedaten über einen mobilen Link, der mit der digitalen Gov.br-ID-Wallet Brasiliens verknüpft ist. Dadurch verkürzt sich die durchschnittliche Check-in-Zeit laut Ministerium von sieben auf unter zwei Minuten. Firmen-Mobilitätsmanager können Mitarbeiterprofile vorab laden, was Fehler bei der Dateneingabe reduziert und die Fürsorgepflicht in Krisensituationen verbessert. Hotels, die die neue Frist verpassen, riskieren Bußgelder von bis zu 10.000 R$ und eine mögliche Suspendierung aus dem nationalen Tourismusregister (Cadastur). Branchenverbände wie die ABIH begrüßen die Nachfrist und weisen darauf hin, dass einige unabhängige Pousadas im Amazonasgebiet noch immer keinen stabilen Breitbandanschluss haben. Praktisch sollten Unternehmen mit Konferenzen Anfang April prüfen, ob ihre Veranstaltungsorte das digitale oder das bisherige Verfahren nutzen, und internationale Teilnehmer entsprechend informieren: Reisepässe werden weiterhin gescannt, Papierformulare könnten vorübergehend wieder zum Einsatz kommen. Reisende sollten zudem sicherstellen, dass ihre Gov.br-Konten aktiv sind, um die digitale Authentifizierung nach dem endgültigen Systemstart zu beschleunigen.
Quelle: Travel and Tour World
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