
Polen: Antragsteller für Reisepässe könnten bald den zweiten Gang zum Woiwodschaftsamt komplett umgehen. Das Innenministerium (MSWiA) bestätigte, dass ein Entwurf zur Änderung des Passgesetzes vorsieht, den fertigen Pass per sicherem Kurier deutschlandweit zustellen zu lassen. Laut einem Bericht der „Rzeczpospolita“ vom 2. April wurde die Poczta Polska als exklusiver Dienstleister für den Zeitraum 2026–2035 ausgewählt. Die Gebühren sollen die spezielle Verpackung und die Identitätsprüfung bei der Zustellung abdecken. Der Gesetzentwurf, der noch vor der Sommerpause ins Parlament eingebracht werden soll, sieht außerdem ein 32-seitiges Passheft vor (statt bisher 40 Seiten) mit einem zusätzlichen lasergravierten Porträt auf Seite 1, verbesserten UV-Sicherheitsmerkmalen und einem integrierten NFC-Chip, der den EU-Standards für den zweiten Generationen-E-Pass entspricht. Eine eigene Produktionslinie wird im Personalisierungszentrum des MSWiA eingerichtet, um den Start des neuen Designs im Januar 2029 zu gewährleisten. Für internationale Mobilitätsteams bedeutet die Kurieroption eine deutliche Verkürzung der Abreisezeiten, besonders für Mitarbeiter, die weit von den Regionalhauptstädten entfernt sind. Personalabteilungen müssen ihre internen Checklisten anpassen: Statt eines Abholscheins müssen die Mitarbeiter bei der Zustellung persönlich mit einem Personalausweis an der registrierten Adresse anwesend sein, um den Pass entgegenzunehmen. Die Regierung verspricht sich von der Änderung auch eine Entlastung der oft unterbesetzten Passstellen, an denen die Wartezeiten in Großstädten in Spitzenzeiten bis zu sechs Wochen betragen können. Die Reform ist Teil einer umfassenderen Digitalisierungsstrategie, die bereits Personalausweise und Führerscheine in der mObywatel-App verfügbar gemacht und Geburtsurkunden per Post zugänglich gemacht hat. Zwar ist die Kurieroption zunächst auf Inlandszustellungen beschränkt, doch prüfen die Behörden, ob diplomatische Vertretungen künftig vertrauenswürdige Kurierdienste für den Versand von Pässen ins Ausland nutzen können – eine potenzielle Revolution für polnische Expats.
Quelle: Rzeczpospolita – Turystyka
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