
Der zyprische Tourismussektor steht 2026 vor seiner ersten großen Bewährungsprobe, da der Krieg im Persischen Golf das Reiseverhalten zunehmend beeinflusst. Dinos Kakkouras, Ehrenpräsident der Vereinigung zyprischer Reise- und Tourismusagenturen (ACTTA), bestätigte am Morgen des 5. April gegenüber der Cyprus Mail, dass die Buchungen für Pauschalreisen im März und April im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen sind. Flüge zwischen Larnaka, Paphos und Tel Aviv sowie Dubai sind zwar noch in Betrieb, jedoch wurden die Frequenzen reduziert, und die Verbindungen nach Doha wurden komplett eingestellt. Während Januar und Februar Rekordzahlen bei den Passagierzahlen verzeichneten, warnt die ACTTA nun vor einer deutlich vorsichtigeren „Reisenden-Psychologie“. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: Die Monate März bis Mai sind traditionell die Phase, in der europäische Reiseveranstalter ihre Sommerkontingente festlegen und die katholische Osterzeit den ersten Besucheransturm bringt. Hoteliers berichten von einer parallelen Schwäche bei den Zimmerbuchungen, insbesondere aus Herkunftsmärkten, die nach dem iranischen Drohnenangriff auf RAF Akrotiri im letzten Monat neue Sicherheitshinweise herausgegeben haben. Thanos Michaelides von der zyprischen Hotelvereinigung schätzt, dass ein Ausfall der drei wichtigen Nebensaisonmonate „das gesamte Jahr 2026 spürbar beeinträchtigen wird“. Branchenkenner hoffen jedoch, dass die aufgestaute Nachfrage nach dem Ende der Kampfhandlungen schnell wieder anzieht. Frühere Krisen – insbesondere der Gaza-Konflikt 2024 – führten dazu, dass Zypern innerhalb eines Quartals nach Ausrufung von Waffenruhen wieder auf die Beine kam. Die Flugpreise sind bislang stabil geblieben, was unter anderem auf langfristige Absicherungen der Fluggesellschaften und eine weiterhin solide europäische Nachfrage zurückzuführen ist. Dennoch räumen Beteiligte ein, dass bei ausbleibender Normalisierung der Buchungen bis Mitte Mai Reiseveranstalter Kapazitäten auf konkurrierende Mittelmeerziele wie Spanien, die Türkei oder Ägypten verlagern könnten. Für Geschäftsreisemanager gilt eine doppelte Botschaft: Erstens sind kurzfristige Änderungen bei den Routen zwischen dem Nahen Osten und Zypern zu erwarten, zweitens sollten Mitarbeiter hinsichtlich der allgemeinen Sicherheitslage auf Zypern beruhigt werden. Mobilitätsverantwortliche sollten zudem die am 17. April erwarteten Passagierdaten von CyStat genau beobachten, da diese erstmals belastbare Zahlen zum Ausmaß des Rückgangs liefern werden. Sollten die Zahlen enttäuschen, könnten weitere staatliche Unterstützungsmaßnahmen folgen – ähnlich dem kürzlich genehmigten Lohnzuschussprogramm für Hotels –, möglicherweise auch Anreize für Fluggesellschaften, die Konnektivität aufrechtzuerhalten. Praktisch sollten multinationale Unternehmen mit entsandten Mitarbeitern oder Projektpersonal auf Zypern ihre Evakuierungspläne überprüfen und sicherstellen, dass die Reiseversicherungen Konflikt-bedingte Störungen abdecken. Für Freizeitreisende bleiben flexible Buchungsbedingungen und Echtzeit-Tools zur Überwachung von Reiserisiken die beste Absicherung in einem unsicheren geopolitischen Umfeld.
Quelle: Cyprus Mail