
In einem am 23. Juni 2026 von ETIAS Pro veröffentlichten Interview gab Uku Särekanno, stellvertretender Exekutivdirektor von Frontex, eine ernüchternde Einschätzung zum neuen EU-Ein- und Ausreisesystem (EES) ab: „Die erstmalige biometrische Erfassung ist der schwierigste Teil der Einführung, und die Warteschlangen könnten ein bis zwei Jahre andauern, bis Wiederholungsreisende den Großteil des Verkehrs ausmachen.“ Das EES – seit April an allen spanischen Flughäfen, Seehäfen und Landgrenzen voll einsatzfähig – erfasst Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen aller Nicht-EU-Kurzzeitbesucher und ersetzt damit die Passstempel. Während am Flughafen Madrid-Barajas über Ostern täglich mehr als 30.000 Erfassungen ohne größere Probleme durchgeführt wurden, haben die Sommerreisenden bereits an mehreren Schengen-„Smart-Border“-Schleusen in Barcelona und Málaga Wartezeiten von über 90 Minuten verursacht. Särekanno bestätigte, dass die Übergangsfrist, in der Mitgliedstaaten das System bei Spitzenbelastungen aussetzen dürfen, im September endet und „keine Verlängerung geplant ist“. Das bedeutet, dass Spanien die Geräte während der geschäftigen Oktober-WM-Qualifikationsspiele oder des Weihnachtsansturms nicht legal abschalten darf. Fluggesellschaften und Abfertigungsagenten müssen stattdessen Ankünfte staffeln und zusätzliches Personal einsetzen, um die Passagiere durch die Kioske zu begleiten. Für globale Mobilitätsteams bedeutet die Warnung konkrete Maßnahmen: längere Umsteigezeiten in Reisepläne einbauen, Reisende vorab über die Fingerabdruck- und Gesichtserfassung informieren und bis zur Verbesserung der Durchlaufzeiten Flughäfen wie Madrid oder Bilbao – die etwas kürzere Warteschlangen melden – gegenüber Barcelona bevorzugen. Arbeitgeber, die Talente im Rahmen der spanischen Digital-Nomaden- oder Hochqualifizierten-Visa entsenden, sollten ihre Mitarbeiter daran erinnern, dass das Verlassen des Schengen-Raums die 90/180-Tage-Frist zurücksetzt, die nun automatisch vom EES berechnet wird. Technisch plant das spanische Innenministerium, die Anzahl der Selbstbedienungskioske am Terminal 4S in Barajas bis November zu verdoppeln und eine „Familienspur“ zu testen, die Kinderaufzeichnungen mit dem Scan eines Elternteils verknüpft. Dennoch deutet die Prognose von Frontex darauf hin, dass Geschäftsreisende sich auf eine längere Eingewöhnungsphase einstellen sollten – ähnlich wie zu Beginn der automatisierten Passkontrollschleusen vor einem Jahrzehnt.
Quelle: ETIAS Pro
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