
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) hat am 10. Juli seine Hilfeseite für Brasilien mit einer wichtigen Mitteilung für Haitianer aktualisiert, die eine Migration planen. Seit Dezember 2025 ist die Ausstellung des humanitären Visums für haitianische Staatsangehörige in Brasilien an eine sogenannte „Gemeinschaftsunterstützung“ gebunden. Antragsteller müssen nun nachweisen, dass eine Kirche, NGO oder ein privater Sponsor in Brasilien Unterkunft und erste Unterstützung bieten kann. Laut Bundespolizei wurde diese Regelung eingeführt, nachdem die Zahl der irregulären Grenzübertritte im Norden im vergangenen Jahr um 58 Prozent gestiegen war und die lokalen Unterkünfte überlastete. Bislang wurde keine Organisation offiziell als Sponsor akkreditiert, was potenzielle Migranten in eine ungewisse Lage versetzt. Die Justiz- und Außenministerien arbeiten derzeit an einer Verordnung, die voraussichtlich im August veröffentlicht wird und Akkreditierungskriterien wie finanzielle Garantien und Integrationsprogramme festlegt. Bis dahin bleiben die Kontingente für humanitäre Visa an den brasilianischen Konsulaten in Port-au-Prince und Santo Domingo ausgesetzt. Im Gegensatz dazu bleibt das elektronische Familienzusammenführungsvisum – verfügbar für Ehepartner, Kinder und Eltern von Haitianern mit brasilianischem Aufenthaltsstatus – vollständig digital, gebührenfrei und bis zum 30. Juni 2026 gültig. Antragsteller laden Scans von Pässen, Fotos und (bei Minderjährigen) eine elterliche Genehmigung hoch; die Genehmigungen werden innerhalb von zehn Tagen per QR-Code erteilt, ein Verfahren, das von Mobilitätsexperten als „Modell für kostengünstige und volumenstarke Bearbeitung“ gelobt wird. Visa-Inhaber müssen sich jedoch innerhalb von 90 Tagen nach Ankunft bei der Bundespolizei registrieren, um eine Carteira de Registro Nacional Migratório zu erhalten. Für NGOs im Bereich globale Mobilität und Flüchtlingshilfe lautet die Botschaft zweigleisig: Die Erwartungen potenzieller humanitärer Einreisender realistisch managen und Ressourcen darauf konzentrieren, akkreditierten Sponsoren bei der Erfüllung der kommenden Auflagen zu helfen. Multinationale Unternehmen, die haitianische Fachkräfte unter den Kategorien Digitalnomaden oder Arbeitserlaubnis beschäftigen, sollten die Verordnung zur Sponsorenakkreditierung ebenfalls aufmerksam verfolgen, da sie als Vorlage für andere humanitäre Gruppen wie Afghanen und Venezolaner dienen könnte. Brasilien beherbergt schätzungsweise 143.000 Haitianer, von denen viele nach dem Erdbeben 2010 im Rahmen eines früheren humanitären Programms eingereist sind. Die neuen Beschränkungen signalisieren Brasílias Versuch, humanitäre Verpflichtungen mit steigenden Kosten für die lokale Integration in Einklang zu bringen – ein Thema, das im Vorfeld der Kommunalwahlen im Oktober an Bedeutung gewinnt.
Quelle: UNHCR Brazil (ACNUR)
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