
Nur wenige Stunden nachdem die Regierung Fortschritte bei der Bearbeitung der Regularisierungsanträge verkündet hatte, gab die Nationalpolizei eine Warnung heraus. Eine am 24. Juli durchgesickerte interne Einschätzung schätzt, dass bis zu 400.000 der 1,17 Millionen Anträge die Grundvoraussetzung nicht erfüllen könnten, dass der Migrant mindestens fünf zusammenhängende Monate vor dem 1. Januar 2026 in Spanien gelebt hat. Der Bericht, veröffentlicht von El Liberal und der Generaldirektion für Ausländerangelegenheiten und Grenzschutz zugeschrieben, führt den Anstieg auf einen sogenannten „Anrufe-Effekt“ zurück, der potenzielle Begünstigte angeblich dazu veranlasst habe, eilig nach Spanien einzureisen oder gefälschte Mietverträge und Meldebescheinigungen zu kaufen, um die Frist einzuhalten. Polizeigewerkschaften kritisieren, dass ihre Rolle im außergewöhnlichen Verfahren überwiegend reaktiv sei: Die Beamten greifen nur ein, wenn die zentrale Einheit für die Bearbeitung von Ausländerakten (UTEX) Unregelmäßigkeiten meldet, was ihre Fähigkeit einschränkt, gefälschte Dokumente frühzeitig zu erkennen. Ermittler berichten zudem, dass organisierte Netzwerke Pakete mit gefälschten Gehaltsabrechnungen und Mietquittungen für 600 bis 1.200 Euro angeboten haben. Migrations-NGOs weisen die Betrugsvorwürfe zurück und argumentieren, dass Antragsteller umfangreiche Nachweise über die digitale Plattform Correos hochladen mussten und die meisten irregulären Migranten bereits lange vor der Frist in Spanien ansässig waren. Sie werfen der Polizei vor, fremdenfeindliche Stimmungen zu schüren und eine humanitäre Maßnahme zu gefährden, die breite parlamentarische Unterstützung genießt. Für Arbeitgeber schafft die Kontroverse Unsicherheit: Sollten viele vorläufige Genehmigungen später annulliert werden, könnten Unternehmen plötzlich mit Fachkräftemangel und Compliance-Risiken konfrontiert sein. Personalverantwortliche werden daher aufgefordert, Kopien der vorläufigen Aufenthaltstitel ihrer Mitarbeiter aufzubewahren, offizielle Mitteilungen genau zu verfolgen und Notfallpläne für den Fall einer Widerrufung vorzubereiten. Die Regierung hat sich zu dem Leak nicht geäußert, betont jedoch, dass gegen Personen, die betrügerische Angaben gemacht haben, strafrechtlich vorgegangen wird. Zudem wird über zusätzliche Schulungen für UTEX-Mitarbeiter in Dokumentenforensik und Datenabgleich mit kommunalen Registern nachgedacht.
Quelle: El Liberal
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