
Außenministerin Hadja Lahbib unterzeichnete am späten 1. August in Rabat eine bilaterale Mobilitätspartnerschaft mit ihrem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita, die beschleunigte Visakanäle für bis zu 12.000 marokkanische Saisonarbeiter pro Jahr schafft. Die Vereinbarung, die am 2. August im belgischen Moniteur Belge veröffentlicht wurde, sieht eine Bearbeitungszeit von 15 Tagen für Kurzzeit-C-Visa in den Bereichen Landwirtschaft, Gastgewerbe und Bauwesen vor. Im Gegenzug hat sich Marokko bereit erklärt, die Rücknahmekooperation für Personen, die sich unregelmäßig in Belgien aufhalten, auszuweiten. Das Abkommen ähnelt jüngst geschlossenen Vereinbarungen mit Tunesien und Senegal im Rahmen der EU-Talentpartnerschaften, ist jedoch das größte im Benelux-Raum bisher. Der flämische Bauernverband Boerenbond sieht in dem Pakt eine Lösung für den chronischen Arbeitskräftemangel im Gartenbau, während Gewerkschaften auf strikte Einhaltung von Lohngleichheit und angemessenen Wohnstandards pochen. Arbeitgeber müssen vor Visumerteilung den Nachweis über regelkonforme Unterkünfte erbringen und Verträge bei der regionalen Arbeitsagentur registrieren. Global agierende Unternehmen mit projektbezogener Tätigkeit in beiden Ländern könnten indirekt profitieren. Das Abkommen sieht ein Pilotprogramm vor, das belgischen Bauunternehmen ermöglicht, marokkanische Fachkräfte für bis zu neun Monate mit vereinfachten Dokumenten zu entsenden. Ein gemeinsamer Ausschuss wird die Kontingente jährlich überprüfen und mögliche Wege für Qualifizierung und langfristige Aufenthaltserlaubnisse eröffnen.