
Zahlen vom 14. September zeigen, dass Belgien seit Januar bereits 1.239 Personen ohne gültige Aufenthaltspapiere zwangsweise abgeschoben hat – und damit den bisherigen Jahresrekord von 2017 übertroffen hat. Die meisten Abschiebungen erfolgten nach Verbüßung von Haftstrafen, wobei Marokko (233), Albanien (195) und Algerien (138) die häufigsten Zielländer sind. Ministerin Anneleen Van Bossuyt führt den Erfolg auf eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Justizministerium, den Gefängnisbehörden und ihrem eigenen Ressort zurück, ergänzt durch neue bilaterale Rückführungsabkommen, insbesondere jenes mit Algerien im April. Das Migrationsamt setzt nun Verbindungsbeamte in großen Gefängnissen ein, um Reisedokumente bereits vor der Entlassung der Inhaftierten vorzubereiten und so kurzfristige rechtliche Einsprüche zu minimieren. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Tempo und bemängeln, dass konsularische Kooperationen manchmal Vorrang vor individuellen Risikobewertungen haben. Die Ministerin entgegnet, dass jeder Fall weiterhin einem Verhältnismäßigkeitstest unterzogen wird und besonders schutzbedürftige Personen ausgenommen sind. Für multinationale Arbeitgeber unterstreichen die Zahlen eine härtere Haltung gegenüber illegalem Aufenthalt. Mitarbeiter, deren Aufenthaltstitel aufgrund von Projektverzögerungen oder Unterbrechungen bei innergemeinschaftlichen Reisen ablaufen, könnten bei Festnahme schneller abgeschoben werden. Unternehmen sollten ihre Compliance besonders bei entsandten Mitarbeitern aus Nicht-EU-Projekten genau prüfen.
Quelle: The Brussels Times