
Am 17. September verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution – unterstützt von Mitte-rechts- und Rechtsaußenfraktionen –, die erstmals mit der Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Marokko droht, falls Rabat die irregulären Grenzübertritte in die spanische Exklave Ceuta nicht eindämmt. Der nicht bindende Text wirft der spanischen Regierung zudem vor, Warnungen des Geheimdienstes vor dem Ansturm von 80.000 Menschen im Juli ignoriert zu haben, und fordert die Kommission auf, die an Marokko fließenden Mittel für das Grenzmanagement zu überprüfen. Während Sozialdemokraten, Grüne und Linke gegen den Antrag stimmten, wurde er mit 339 zu 225 Stimmen angenommen – ein Ausdruck wachsender Frustration in Brüssel über das, was viele Abgeordnete als „Migrations-Erpressung“ bezeichnen. Sollte die Kommission handeln, stünden Handelspräferenzen und Haushaltsmittel in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro auf dem Spiel. Für Spanien ist die Abstimmung ein zweischneidiges Schwert: Madrid fordert EU-Solidarität, doch die Resolution stellt das jüngste Legalisierungsprogramm Spaniens als möglichen Anreiz für Migration dar – ein Argument, das die Oppositionsparteien im Inland befeuert. Die marokkanischen Behörden deuteten unterdessen an, gemeinsame Patrouillen auszusetzen, falls die Finanzierung gekürzt wird, was neue See- und Landdrucksituationen an der Straße von Gibraltar befürchten lässt. Mobilitätsmanager in Unternehmen sollten die Entwicklung genau beobachten: Verschärfte EU-Marokko-Beziehungen könnten längere Visa-Bearbeitungszeiten für marokkanische Geschäftsreisende bedeuten und mögliche Vergeltungsmaßnahmen gegen spanische Tochtergesellschaften in der Freihandelszone Tanger nach sich ziehen. Multinationale Unternehmen, die Mitarbeiter über die Grenze in Ceuta bewegen, müssen mit strengeren Dokumentenkontrollen rechnen, falls die politische Lage eskaliert. Die Kommission hat 90 Tage Zeit, auf die Forderungen des Parlaments zu reagieren. Selbst wenn es nicht sofort zu einer Aussetzung kommt, erhöht die Abstimmung den Druck auf Rabat und Madrid, bis Jahresende glaubwürdige Grenzkontrollen nachzuweisen.
Quelle: El País