
In einer hitzigen Plenarsitzung in Straßburg am 17. September setzte eine Mitte-rechts-Mehrheit eine nicht bindende Entschließung durch, die der spanischen Regierung vorwirft, den Ende Juli erfolgten Zustrom von rund 80.000 Migranten nach Ceuta „nicht vorhergesehen“ zu haben. Die Kommission wird aufgefordert, das EU-Marokko-Assoziationsabkommen auszusetzen, sofern Rabat die „Instrumentalisierung irregulärer Migration als hybride Kriegsführung“ nicht eindämmt. Der Text wurde mit 339 Stimmen dafür, 225 dagegen und 16 Enthaltungen angenommen und spiegelt die wachsende Kluft zwischen der Europäischen Volkspartei (EVP) und der sozialistisch geführten Koalition in Migrationsfragen wider. Der spanische Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo begrüßte die Abstimmung als „klare Botschaft an Rabat“, während Innenkommissar Magnus Brunner auf dem Weg nach Madrid erklärte, Brüssel werde „alle Optionen prüfen“, einschließlich der Konditionalität der 1,4 Milliarden Euro Grenzmanagement-Hilfe, die Marokko erhält. Die von der PSOE geführte spanische Regierung verurteilte den Antrag als „verantwortungslos“ und warnte, er könne die laufenden Rückführungsverhandlungen gefährden. Warum das wichtig ist: Obwohl symbolisch, birgt die Entschließung reale wirtschaftliche Risiken. Eine Aussetzung des Assoziationsabkommens würde die Zollpräferenzen für spanische Agrar- und Lebensmittel-Exporteure treffen und könnte zu Vergeltungsmaßnahmen Marokkos in Form von Visabeschränkungen führen, was den Reiseverkehr über die Straße von Gibraltar erschweren würde. Multinationale Unternehmen sollten Szenarien für strengere Kontrollen an den Landgrenzen bei Tarifa und Algeciras sowie mögliche Verzögerungen bei der Verlängerung spanischer Aufenthaltsgenehmigungen für marokkanische Mitarbeiter einplanen. Der Vorfall verdeutlicht zudem, wie Migrationsdruck die EU-Außenbeziehungen neu gestaltet. Angesichts der für Oktober geplanten Debatte des Europäischen Rates über eine überarbeitete Nachbarschaftspolitik könnte Spanien einer strengeren Prüfung seiner eigenen Regularisierungsprogramme und der nach Ceuta erfolgten Verlegungen von Minderjährigen auf das Festland ausgesetzt sein.
Quelle: El País
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