
Der finnische Einwanderungsdienst (Migri) bestätigte am 29. September, dass bis Februar 2027 acht weitere Aufnahmezentren oder Wohngruppen geschlossen werden, was das landesweite Netzwerk im Vergleich zum Höhepunkt während der Pandemie halbieren wird. Diese Entscheidung folgt auf einen anhaltenden Rückgang der Asylanträge – von über 4.000 im Jahr 2025 auf bisher weniger als 1.500 im Jahr 2026 – sowie auf Finnlands verschärfte Grenzpolitik gegenüber Russland. Zu den betroffenen Zentren gehören Einrichtungen in Pori, Kotka und Joensuu. Rund 600 Bewohner werden in größere Zentren in Helsinki, Oulu und Tampere umgesiedelt, während etwa 200 befristete Mitarbeiter mit Entlassungen rechnen müssen. Migri-Direktorin Minna Hulkkonen erklärte, die Bettenauslastung liege seit Monaten bei etwa 50 Prozent, was die derzeitige Infrastruktur finanziell nicht tragbar mache. Die jährlichen Einsparungen werden auf 12 Millionen Euro geschätzt. Für die betroffenen Gemeinden fällt die Bilanz gemischt aus: Lokale Wohltätigkeitsorganisationen befürchten eine Verschlechterung der Integrationsangebote, während Hotelbesitzer, die während des Anstiegs 2022-23 Räume an Migri vermietet hatten, nun mit Leerständen kämpfen, obwohl die Geschäftsreisen wieder zunehmen. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hat eine Taskforce eingerichtet, um die leerstehenden Einrichtungen umzunutzen – etwa als Studentenwohnheime für die wachsende Zahl ausländischer Studierender. Fachanwälte für Einwanderungsrecht sehen in der Verkleinerung ein Zeichen für Finnlands Wandel von humanitärer Aufnahme hin zu migrationspolitisch gesteuerter Fachkräftezuwanderung. Letzte Woche legte die Regierung einen Gesetzentwurf für eine dreiwöchige „Talentgenehmigung“ vor, und Behörden betonen, dass die eingesparten Mittel aus den Aufnahmezentren in die Beschleunigung der Arbeitserlaubnisverfahren fließen sollen. Menschenrechtsorganisationen fordern Migri auf, die Beratung zur freiwilligen Rückkehr in allen Regionen sicherzustellen. Die Behörde kündigt an, mobile Teams in entlegene Gebiete zu schicken und bis Dezember Online-Dienste in 14 Sprachen anzubieten.
Quelle: Daily Northern