
Der Vorstoß für den Beitritt Zyperns zum Schengen-Raum erhielt am 15. Oktober prominente politische Unterstützung, als die Europäische Volkspartei (EVP) eine Erklärung verabschiedete, die eine „zeitnahe Vollendung“ des Beitritts der Insel fordert. Bei einem Treffen in Brüssel vor dem Europäischen Rat betonten die Mitte-rechts-Regierungschefs, dass Zypern die technische Bewertung der Europäischen Kommission erfüllt habe und nun eine schnelle politische Zustimmung benötige. Die Formulierung ist bedeutsam. Die EVP ist die größte Fraktion sowohl im Europäischen Parlament als auch im Rat und zählt unter anderem die deutsche Bundeskanzlerin Anna-Lena Baerbock, den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und den italienischen Premier Giancarlo Fini zu ihren Mitgliedern. Ihre Unterstützung erhöht den Druck auf zurückhaltende Staaten, die Bedenken wegen Migrationsströmen über die Grüne Linie oder diplomatischen Spannungen mit der Türkei haben. Der Zeitpunkt fällt mit der eigenen Lobbykampagne Zyperns zusammen. Migrations-Staatssekretär Nikolas Ioannides erklärte letzte Woche, dass Nikosia nun mit einem Beitritt im Jahr 2027 rechne – eine Verschiebung gegenüber dem ursprünglichen Ziel 2026, aber weiterhin innerhalb der aktuellen Legislaturperiode. Beamte argumentieren, dass die Insellage die Grenzverwaltung im Vergleich zu Kandidaten mit Landgrenzen wie Bulgarien erleichtert. Für Unternehmen stärkt die Haltung der EVP die Wahrscheinlichkeit, dass Schengen-Vorteile – Visa-Gegenseitigkeit, geringere Compliance-Kosten für entsandte Arbeitnehmer, reibungsloses Reisen bei Kurzaufenthalten – innerhalb von 18 Monaten Realität werden könnten. Reiseverantwortliche sollten ihre Lieferantenverträge überprüfen, die derzeitige Einschränkungen durch Nicht-Schengen-Routen berücksichtigen. Nächste Schritte: Der Rat wird die Erweiterung auf seiner Sitzung im Dezember diskutieren. Einstimmigkeit ist erforderlich, und Diplomaten warnen, dass Österreich und die Niederlande, die bisher skeptisch gegenüber neuen Mitgliedern waren, noch keine feste Position zu Zypern bezogen haben. Dennoch verengt die EVP-Erklärung vom Donnerstag das Zeitfenster für weitere Verzögerungen.
Quelle: Cyprus Mail