
Mit dem Inkrafttreten des überarbeiteten Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) der EU am 12. Juni 2026 reiste am vergangenen Wochenende eine Delegation aus Oberösterreich unter der Leitung von Integrationsrat Christian Dörfel (ÖVP) nach Rumänien, um zu prüfen, wie verschärfte Grenzkontrollen in der Praxis funktionieren könnten. Laut ORF konzentrierte sich der Besuch auf die serbisch-rumänische Grenze, wo biometrische Erfassung und Fahrzeug-Scanner-Technologie seit 2023 die irregulären Grenzübertritte um mehr als 80 % reduziert haben. Das GEAS-Paket sieht vor, dass Asylsuchende an den EU-Außengrenzen einem Schnellverfahren unterzogen werden, bei dem negative Entscheidungen zu raschen Rückführungen führen. Mitgliedstaaten, die sich weigern, ihren Anteil an anerkannten Flüchtlingen aufzunehmen, müssen in einen „Solidaritätspool“ einzahlen – ein Kompromiss, für den Wien lobbyierte, um verpflichtende Umsiedlungen zu vermeiden. Österreich hofft, dass strengere Kontrollen an den Außengrenzen die Sekundärbewegungen eindämmen, bei denen viele Migranten über den Balkan in die EU einreisen und dann nordwestwärts nach Österreich und Deutschland weiterziehen. Behörden argumentieren, dass weniger Ankünfte den Druck auf Arbeitsämter, sozialen Wohnungsbau und das Bildungssystem in Österreich verringern. Für Unternehmen, die auf Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten angewiesen sind, bringen die Maßnahmen jedoch neue Planungsunsicherheiten. Drittstaatsangehörige, die an der Außengrenze abgewiesen werden, erreichen nie die österreichischen Konsulate, um dort Arbeitsgenehmigungen zu beantragen, was den Talentnachschub potenziell einschränkt. Personalabteilungen sollten die bevorstehenden Durchführungsverordnungen genau verfolgen und, wo möglich, die Red-White-Red-Card oder innerbetriebliche Versetzungen nutzen, die außerhalb des Asylkanals bleiben. Das Innenministerium wird voraussichtlich bis Mitte Mai nationale Umsetzungsbestimmungen veröffentlichen; erste Entwürfe sehen eine erweiterte Haftkapazität am Flughafen Wien sowie einen Pilotversuch mit den EU-Einreise-/Ausreise-System-Kiosken zur Asylvorregistrierung vor.
Quelle: ORF
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