
Ein kräftiges atlantisches Wetterfront zog in der Nacht über West- und Mitteleuropa hinweg und traf auf einen chronischen Mangel an Flugverkehrskontrollpersonal (ATC), was einen der turbulentesten Betriebstage des Jahres auslöste. Laut dem Passagierrechte-Spezialisten AirHelp wurden am 22. April rund 1.130 Flüge verspätet und weitere 550 gestrichen, was acht große Drehkreuze, darunter den Flughafen Wien, stark beeinträchtigte. Während das Epizentrum der Störungen in München, Amsterdam-Schiphol und Barcelona-El Prat lag, griff der Dominoeffekt schnell auf das Herzstück des österreichischen Flughafens über. Austrian Airlines strich vorsorglich sieben Umläufe auf der Shuttle-Strecke Wien–München, um Ersatzcrews freizusetzen, und die Billigflieger Wizz Air und easyJet cancelten jeweils mindestens zwei Wien-Verbindungen, nachdem Flugzeuge und Cockpit-Teams an anderen Stellen im Netzwerk „außer Position“ geraten waren. Bodenabfertiger am Flughafen Wien berichteten von Spitzenwartezeiten von bis zu 45 Minuten an der Transfer-Sicherheitskontrolle, da Passagiere hektisch versuchten, Anschlussflüge umzubuchen. Da die Hauptursachen – starke Winde, heftiger Regen und Personalmangel bei der Flugverkehrskontrolle – als „außergewöhnliche Umstände“ gemäß EU-Verordnung 261/2004 gelten, haben die meisten Reisenden keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Anspruch auf Betreuung (Mahlzeiten, Hotelunterbringung und Kommunikationsmöglichkeiten) sowie auf eine Umbuchung oder vollständige Rückerstattung besteht jedoch weiterhin. Österreichische Arbeitgeber mit entsandten Mitarbeitern auf Reisen werden daran erinnert, ihre Reiserisikopolitik zu aktualisieren: Die Fürsorgepflicht umfasst, dass gestrandete Mitarbeiter rechtzeitig Unterstützung erhalten und im Notfall finanzielle Soforthilfen bereitgestellt werden. Blickt man voraus, warnen Europas Netzwerkmanager, dass die Kapazitätsreserven weiterhin knapp sind. Die laufende Prognose von Eurocontrol zeigt, dass die ATC-Einheiten in Mitteleuropa mit einem Personalmangel von 12 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2019 arbeiten, was die Wahrscheinlichkeit weiterer taktischer Verkehrsrestriktionen bei der nächsten Sturmfront erhöht. Mobilitätsmanager sollten daher Reisende anweisen, längere Umsteigezeiten einzuplanen – insbesondere an den Flughäfen Wien, Frankfurt, München und Amsterdam – mindestens bis zum Ende des Sommerflugplans. Aus Sicht eines umfassenden Mobilitätsprogramms erinnert die Episode daran, dass Wetter und Personalmangel zunehmend zusammenwirken und Störungen verstärken. Unternehmen wird empfohlen, eine aktuelle Liste von „sicheren Häfen“ (zum Beispiel Zürich oder Prag) zu führen, die als alternative Routen für dringende Reisen nach Österreich dienen können, wenn die Kapazitäten in Wien erschöpft sind.
Quelle: AirHelp
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