
Eine landesweite Umfrage vom 30. April zeigt, dass derzeit 52 % der Schweizer Wähler die rechtsgerichtete Volksinitiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) „Nein zu zehn Millionen“ unterstützen, während 46 % dagegen sind und 2 % unentschlossen. Die zur Abstimmung stehende Vorlage, die am 14. Juni 2026 zur Abstimmung kommt, sieht vor, in der Verfassung eine Obergrenze von 10 Millionen Einwohnern festzuschreiben (die Bevölkerung der Schweiz lag Ende 2025 bei 9,1 Millionen) und die Regierung zu verpflichten, „insbesondere im Bereich der Zuwanderung“ Maßnahmen zu ergreifen, um diese Grenze nicht zu überschreiten. Die Wirtschaftsverbände, allen voran Economiesuisse, warnen, dass die Obergrenze den Fachkräftemangel verschärfen könnte, insbesondere im Gesundheitswesen, in der Forschung und im Tourismus, wo ausländische Arbeitskräfte bis zu 35 % der Belegschaft ausmachen. Der Bundesrat argumentiert, die Initiative stehe im Widerspruch zum Freizügigkeitsabkommen (FZA) mit der EU und gefährde sieben miteinander verknüpfte bilaterale Abkommen zu Handel und Forschung. Befürworter betonen, dass das explosive Bevölkerungswachstum die Wohnungs-, Verkehrs- und Sozialversicherungssysteme stark belaste. Sie verweisen auf Prognosen, wonach die Schweiz ohne Begrenzungen bereits 2033 die 10-Millionen-Marke erreichen könnte. Gegner entgegnen, dass die demografische Alterung eine fortgesetzte Zuwanderung erfordere, um die Renten zu finanzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Multinationale Arbeitgeber verfolgen die Abstimmung aufmerksam. Selbst bei Annahme der Initiative würde die Umsetzung Jahre dauern, doch Personalabteilungen befürchten, dass eine Obergrenze die Kontingente für Arbeitsbewilligungen von Drittstaatsangehörigen verschärfen und die Rekrutierung aus der EU erschweren könnte. Notfallpläne stehen daher auf vielen Vorstandsetagen ebenso auf der Agenda wie Lobbykampagnen, die die Bedeutung ausländischer Talente für die Innovationszentren der Schweiz hervorheben.
Quelle: TIME Magazine
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