
Ab sofort können Italiener und ausländische Einwohner in fast jeder Postfiliale des Landes einen neuen Reisepass beantragen. Poste Italiane hat 7.500 Filialen – darunter 6.932 ländliche „Progetto Polis“-Standorte sowie 431 Büros in Großstädten – mit biometrischer Erfassungstechnik ausgestattet, die direkt mit der Dokumentenausstellungsplattform des Innenministeriums verbunden ist. Der im März 2024 als Pilotprojekt in Bologna gestartete Service hat bereits 206.000 Reisepässe ausgestellt, davon 80 % an Bewohner kleiner Gemeinden, die zuvor von den Passstellen der Polizei unterversorgt waren. Mit der Fertigstellung sind Passdienste für 97 % der Bevölkerung innerhalb von 20 Fahrminuten erreichbar, was die Wartezeiten für Nicht-EU-Arbeitserlaubnisinhaber bei der Erneuerung ihrer Reisedokumente deutlich verkürzen dürfte. Für globale Mobilitätsteams bedeutet das erweiterte Netz, dass Expat-Mitarbeiter nicht mehr zu den Polizeipräsidien in den Provinzen reisen müssen – oft ein ganztägiger Aufwand –, um Visa-Seiten zu ersetzen oder biometrische Fünf-Jahres-Pässe zu erneuern. Personalabteilungen können Termine online über das CRM-System von Poste buchen und die Pässe per Einschreiben an Firmenadressen liefern lassen, was Ausfallzeiten minimiert. Das 1,2 Milliarden Euro teure Projekt, das teilweise durch Italiens PNRR-Wiederaufbauplan nach der Pandemie finanziert wird, integriert zudem weitere E-Government-Dienste wie Rentenbescheinigungen und Personenstandsdokumente, die bei Mitarbeiterumzügen relevant sind. Besonders profitieren kleinere Gemeinden mit neuen Anlagen für grüne Energie oder Logistikparks, was die Rekrutierung in diesen Regionen erleichtert. Poste Italiane schätzt, dass die Passausweitung über 18.500 Arbeitsplätze geschaffen und durch Bau- und IT-Beschaffungen eine Milliarde Euro zum BIP beigetragen hat. Das Modell wird derzeit von Spanien und Portugal geprüft, die ähnliche „One-Stop“-Mobilitätshubs im Rahmen des EU-Digital-Identitätsprogramms planen.
Quelle: ANSA