
Führende Vertreter aus 34 europäischen Staaten, darunter der belgische Premierminister Paul Magnette, verabschiedeten am 4. Mai auf dem Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPC) in Jerewan eine ausführliche Erklärung zur irregulären Migration. Die Vereinbarung verpflichtet die Unterzeichner zu einer „Gesamtrouten“-Strategie, die darauf abzielt, Schleusernetzwerke zu zerschlagen, Rückführungen zu beschleunigen und die Außengrenzen zu stärken, bevor Migranten die EU-Grenze erreichen. Für Belgien, das im vergangenen Jahr einen Anstieg der Asylanträge um 12 % verzeichnete, ist eine verstärkte Zusammenarbeit entlang der Migrationsrouten politisch attraktiv. Innenminister Bernard Quintin bestätigte, dass Brüssel den Informationsaustausch mit Partnern auf dem Balkan und in Nordafrika ausweiten und zusätzliche Mittel für gemeinsame Frontex-Einsätze bereitstellen wird. Die Regierung signalisierte zudem Unterstützung für neue bilaterale „Rückführungsabkommen“ nach dem Vorbild des EU-Tunesien-Deals, betonte jedoch, dass der Schutz der Grundrechte „unverhandelbar“ bleiben müsse. Änderungen bei Mobilitätsprogrammen für Unternehmen sind kurzfristig nicht zu erwarten, doch Analysten gehen davon aus, dass strengere Kontrollen an den Außengrenzen spontane Einreisen verringern und so Kapazitäten für die Bearbeitung von Arbeitserlaubnissen freisetzen könnten. Gleichzeitig könnten beschleunigte Rückführungen mediale Aufmerksamkeit und Fragen von Mitarbeitenden nach sich ziehen; Personalabteilungen sollten daher prägnante Argumentationshilfen zum belgischen Asylsystem und zur sozialen Verantwortung von Unternehmen bereithalten. Die Erklärung hob zudem den Datenaustausch und Sanktionen gegen Geldgeber von Menschenschmugglern hervor – Bereiche, in denen belgische Behörden bereits durch das Europäische Zentrum zur Bekämpfung des Menschenschmuggels von Europol in Den Haag eine zentrale Rolle spielen. Unternehmen, die Mitarbeitende innerhalb Europas entsenden, sollten daher mit verstärkten Echtzeit-Warnungen zur Grenzsicherheit rechnen und sicherstellen, dass Beschäftigte bei Kontrollen Entsendeschreiben und Einkommensnachweise vorlegen können. Die EU-Justiz- und Innenminister werden die EPC-Verpflichtungen bis Juli in einen Aktionsplan überführen. Multinationale Unternehmen mit Niederlassungen in Belgien sollten die kommenden Gesetzesvorschläge genau verfolgen, insbesondere solche, die Haftungsregeln für Beförderer ändern oder die Sorgfaltspflichten bei der Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen verschärfen.