
Die Europäische Kommission hat am 12. Juni stillschweigend zwei lang erwartete Interoperabilitätsinstrumente – das Europäische Suchportal und das Gemeinsame Identitätsregister – in Betrieb genommen, die Datenbanken wie EES, VIS, SIS II und ECRIS-TCN miteinander verknüpfen. Für Passagiere an den Flughäfen Prag-Ruzyně oder Brünn wird sich kaum etwas ändern, doch die tschechische Grenzpolizei verfügt nun über eine einheitliche Suchoberfläche, um Fingerabdrücke, Visadaten und Sicherheitswarnungen abzugleichen. Diese Neuerung ist Teil des umfassenderen „Smart Borders“-Pakets aus Brüssel, das bereits im April biometrische Ein- und Ausreisekioske an tschechischen Außenflughäfen eingeführt hat. Durch die Vernetzung der Systeme können Beamte Identitätsbetrug schneller erkennen und sekundäre Kontrollen beschleunigen, was für regelkonforme Reisende kürzere Wartezeiten bedeutet und gleichzeitig die Trefferquote bei Überziehungen erhöht. Fluggesellschaften und Mobilitätsmanager sollten jedoch beachten, dass die Anforderungen an die Datenqualität verschärft wurden. Airlines, die Direktflüge auf Langstrecken nach Prag anbieten, müssen sicherstellen, dass die Advance Passenger Information exakt mit den Reisedokumenten übereinstimmt, da sonst Bußgelder drohen, wenn die Daten im neuen Portal nicht automatisch abgeglichen werden können. Firmenreisebüros sollten ihre Mitarbeiter daran erinnern, bei Buchungen besonders auf zweite Vornamen und Ablaufdaten der Dokumente zu achten. Die tschechische Datenschutzorganisation Iure fordert eine strenge Kontrolle und warnt davor, dass fehlerhafte Daten in einem EU-System nun auf alle anderen übertragen werden könnten. Das Innenministerium betont, dass Beschwerdemechanismen vorhanden sind und das Portal nur bereits existierende Daten abruft, ohne neue Kategorien personenbezogener Informationen zu schaffen. Praktisch werden Reisende aus visafreien Ländern wie den USA oder Großbritannien zunächst keine unmittelbaren Veränderungen bemerken, doch ab 2027 wird auch die ETIAS-Reisegenehmigung in derselben Suche angezeigt. Unternehmen, die Drittstaatsangehörige nach Tschechien entsenden, sollten daher darauf achten, dass die Visahistorie sauber ist, da frühere Überziehungen im Schengen-Raum für tschechische Beamte sofort sichtbar sind.
Quelle: Euro Weekly News