
Während die diplomatischen Karawanen in Évian eintrafen, erlebte Genf selbst die größte Straßenprotestaktion seit den Anti-G8-Krawallen 2003. Am 15. Juni zogen mehr als 20.000 Demonstranten – laut Veranstaltern sogar 30.000 – durch die Stadt am See und prangerten die ihrer Ansicht nach ausschließende Wirtschaftspolitik des Gipfels an. Der italienischsprachige Dienst von Swissinfo berichtet, dass die Polizei 28 Personen festnahm, davon drei in vorläufiger Haft, nachdem Aktivisten im schwarzen Block Schaufenster eingeschlagen, ein Auto angezündet und auf dem Quai Wilson mit Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei gekämpft hatten. Die Behörden errichteten am späten Abend eine „Kessel“-Maßnahme und hielten rund 300 Demonstranten für Identitätskontrollen fest, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten. Die Sozialdemokratische Partei forderte einen umfassenden Bericht und warf der Polizei unverhältnismäßigen Einsatz von Tränengas sowie unzureichende Wasserversorgung für die Eingeschlossenen vor. Der Vorfall hat die Debatte über die Schweizer Methoden zur Menschenmengensteuerung neu entfacht, die Unternehmen bei Fürsorgepflichtprogrammen für Entsandte berücksichtigen müssen. Aus Mobilitätssicht führten die Unruhen zur vorübergehenden Einstellung mehrerer Straßenbahnlinien, zur Sperrung des Bahnhofsplatzes Cornavin und zur Umleitung von Nachtbussen – was die bereits durch den G7-Gipfel bedingten Fahrplanreduzierungen weiter verschärfte. Hotels im Quartier Pâquis aktivierten Notfallpläne, boten Check-ins außerhalb der Polizeisperren an und begleiteten Gäste zu Fuß. Multinationale Unternehmen, die Begleitveranstaltungen bei Genfer internationalen Organisationen ausrichten, haben seitdem ihr privates Sicherheitspersonal aufgestockt und ihre Mitarbeitenden angewiesen, spontane Versammlungen im Stadtzentrum zu meiden. Versicherer weisen darauf hin, dass Klauseln zu politischer Gewalt in Standard-Reiserichtlinien Schäden durch Krawalle meist ausschließen, was die Notwendigkeit einer expliziten Absicherung bei der Entsendung zu hochkarätigen Gipfeltreffen unterstreicht.
Quelle: SWI swissinfo.ch
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