
Ein neuer politischer Streit darüber, wer Schweizer werden darf, ist entbrannt, nachdem Aktivisten die sogenannte „Demokratie-Initiative“ eingereicht haben. Diese würde ausländischen Bewohnern, die seit fünf Jahren in der Schweiz leben, keine Vorstrafen haben und eine Landessprache sprechen, die Staatsbürgerschaft gewähren. In einem ausführlichen Bericht vom 16. Juni hebt der Schweizer Öffentlich-Rechtliche SWI swissinfo.ch hervor, dass der Vorschlag die Schweiz von einem der strengsten Einbürgerungssysteme Europas – derzeit zehn Jahre Aufenthalt plus mehrere kommunale Bewilligungen – zu einem der offensten machen würde. Unterstützung kommt vor allem von linksgerichteten Parteien, Gewerkschaften und Migrantenrechtsgruppen, die argumentieren, dass 2,5 Millionen Ausländer (fast 30 Prozent der Bevölkerung) Steuern zahlen, aber kein Wahlrecht besitzen. Der Bundesrat und der Nationalrat lehnen die Initiative ab und warnen vor einer „Identitätsverwässerung“ und administrativer Überlastung. Die rechtsgerichtete Schweizerische Volkspartei hat mit einem Gegenentwurf gedroht, der die doppelte Staatsbürgerschaft einschränken soll. Für multinationale Arbeitgeber würde der erleichterte Zugang zu Pässen die Planung von Langzeiteinsätzen erheblich vereinfachen: Doppelkarriere-Paare könnten sich schneller in den Arbeitsmarkt integrieren, während globale Mobilitätsteams auf die alle fünf Jahre erforderliche Verlängerung von C-Bewilligungen verzichten könnten. Die Initiative würde zudem die Regeln kantonsübergreifend harmonisieren und das heutige Flickwerk aus Sprachtests und kommunalen Interviews abschaffen. Die Volksabstimmung wird für Ende 2027 erwartet. Selbst bei einer Ablehnung sagen Beobachter, dass allein die Debatte das Parlament zwingen könnte, die bestehenden Verfahren zu straffen – ähnlich wie jüngste EU-Schritte zur Verkürzung der Aufenthaltsfristen für hochqualifizierte Arbeitskräfte.
Quelle: SWI swissinfo.ch