
Brüssel reagierte umgehend auf das Referendum vom Sonntag, bei dem 54,8 % der Schweizer Stimmberechtigten gegen eine verfassungsmäßige Bevölkerungsobergrenze von zehn Millionen Einwohnern bis 2050 stimmten. Am 15. Juni erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Ergebnis sei „ein starkes Signal, dass die Schweiz weiterhin Offenheit und unseren gemeinsamen Wirtschaftsraum unterstützt.“ Ihre Äußerungen, die am selben Morgen von Swissinfo berichtet wurden, deuten auf neuen Schwung bei den Verhandlungen über ein aktualisiertes Paket bilateraler Abkommen hin, die wegen sensibler Fragen zur Personenfreizügigkeit ins Stocken geraten waren. Die abgelehnte Initiative – vorangetrieben von der nationalistischen Schweizerischen Volkspartei – hätte Bern dazu verpflichtet, die Freizügigkeitsregeln mit der EU jedes Mal neu zu verhandeln, wenn die Bevölkerungsprognosen bestimmte Zwischenwerte überschreiten. Wirtschaftsverbände, Kantonsregierungen und der Bundesrat warnten, dass solche Auslösemechanismen den privilegierten Zugang der Schweiz zum Binnenmarkt, die grenzüberschreitende Arbeitskräfte von 370.000 Pendlern sowie die reibungslose Entsendung von Personal in ganz Europa gefährden würden. Für Fachleute im Bereich globale Mobilität beseitigt das Referendumsergebnis das unmittelbare Risiko von quotenähnlicher Unsicherheit, die innerbetriebliche Versetzungen, Projektbesetzungen und Kundenbesuche erschwert hätte. Grenzgänger – unverzichtbar für die Pharmacluster rund um Basel und das Finanzzentrum Genf – können weiterhin auf das bestehende Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungssystem vertrauen. Dennoch unterstreicht der relativ hohe Anteil von 45 % Ja-Stimmen die anhaltende Besorgnis über Migrationsdruck, Wohnkosten und Infrastrukturbelastungen. Beobachter erwarten, dass die Regierung Gegenmaßnahmen vorstellt, möglicherweise mit verschärften Kriterien für Familiennachzug oder beschleunigten Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Unternehmen sollten daher auch ohne verfassungsmäßige Vorgaben wachsam gegenüber schrittweisen politischen Anpassungen bleiben. Die positive Aufnahme durch die EU könnte zudem die Wiederaufnahme der Gespräche über die Schweizer Beteiligung am Forschungsprogramm Horizon Europe – ein wichtiger Anreiz für multinationale F&E-Zentren – sowie über die Integration des Strommarktes beschleunigen. Mobilitätsmanager sollten diese Themen genau verfolgen, da sie beeinflussen, wo Unternehmen talentintensive Einheiten ansiedeln und wie einfach Mitarbeiter zwischen Schweizer und EU-Einheiten entsandt werden können.
Quelle: SWI swissinfo.ch
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