
Am 14. Juni lehnte die Schweiz mit 54,8 Prozent der Stimmen und einer Mehrheit der Kantone die „Nachhaltigkeitsinitiative“ der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab, die eine Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung auf unter 10 Millionen vorsah. Ein Bericht der Le Monde vom 15. Juni hebt hervor, dass wirtschaftliche Argumente – insbesondere Warnungen vor Fachkräftemangel und Schäden für die Beziehungen zur EU – die Bedenken hinsichtlich der Belastung der Infrastruktur überwogen. Die Schweizer Bevölkerung ist in 25 Jahren um 25 Prozent gewachsen und wird Ende 2025 voraussichtlich 9,1 Millionen erreichen, vor allem dank Zuwanderung. Wirtschaftsverbände unter Führung von economiesuisse warnten, dass die Obergrenze das BIP innerhalb eines Jahrzehnts um 4 Prozent hätte senken und Unternehmen zur Verlagerung von Produktion ins Ausland gezwungen hätte. Die Abstimmung wurde europaweit als Gradmesser für die Haltung zur Personenfreizügigkeit verfolgt; ein „Ja“ hätte Bern verpflichtet, die EU-Abkommen innerhalb von 12 Monaten neu zu verhandeln. Nach der Niederlage kündigte die SVP neue Initiativen an, die Familiennachzug einschränken und die Asylzahlen begrenzen sollen. Für internationale Mobilitätsteams bleibt vorerst alles beim Alten: Die Kontingente für Arbeitsbewilligungen von Drittstaatsangehörigen (derzeit insgesamt 8.500 L- und B-Bewilligungen pro Jahr) bleiben unverändert, und EU/EFTA-Bürger genießen weiterhin uneingeschränkten Zugang. Dennoch deutet die knappe Mehrheit in mehreren Kantonen darauf hin, dass das Thema Zuwanderung politisch weiterhin hochaktuell bleibt.
Quelle: Le Monde
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