
Der Schweizer Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann fordert die Politik auf, „moderne, flexible Instrumente“ zur Steuerung der Zuwanderung zu entwickeln, nachdem 45 Prozent der Stimmberechtigten die strenge Initiative „Nein zu 10 Millionen“ unterstützt hatten, obwohl diese letztlich scheiterte. In einem Interview mit Tamedia, zitiert vom Finanzportal Moneycab am 16. Juni, betonte Straumann, dass das knappe Ergebnis eine echte Verunsicherung in der Bevölkerung widerspiegele und ein Ignorieren dieser Stimmung das bilaterale Abkommen der Schweiz mit der EU über die Personenfreizügigkeit gefährden würde. Er schlägt vor, Kontingentmechanismen einzuführen, die an die Arbeitsmarktlage und regionale Wohnraummangel gekoppelt sind, sowie ein Punktesystem für hochqualifizierte Arbeitskräfte außerhalb der EU/EFTA. Solche Instrumente würden Unternehmen den Zugang zu Talenten ermöglichen und gleichzeitig die Ängste der Bevölkerung vor einer Überlastung der Infrastruktur adressieren. Globale Personalabteilungen sollten die Debatte genau verfolgen: Eine stärkere Ausrichtung auf qualifikationsbasierte Kontingente könnte zwar MINT-Berufe bevorzugen, aber die Besetzung von Stellen mit geringer Qualifikation erschweren. Straumann brachte zudem temporäre Arbeitsvisa mit beschleunigter Einbürgerung für kritische Branchen ins Spiel – eine Idee, die vom Schweizer Maschinenbauverband Swissmem begrüßt wird. Der Bundesrat wird im Herbst eine Vernehmlassung veröffentlichen; Experten erwarten, dass Elemente aus Kanadas „Express Entry“ und Deutschlands neuer Chancenkarte einfließen werden.
Quelle: Moneycab / FinanzNachrichten
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