
Eine Koalition von elf EU-Mitgliedstaaten – darunter auch Tschechien – hat für das Treffen der Innenminister am 20. Juni einen Antrag eingebracht, der die Vergabe von Schengen-Touristenvisa an russische Staatsbürger während des andauernden Kriegs in der Ukraine verschärfen soll. Der von Schweden angeführte Vorschlag argumentiert, dass Wochenendausflüge zum Einkaufen und Strandurlaube das Sanktionsregime untergraben und Sicherheitsrisiken darstellen. Dem Entwurf zufolge sollen Konsulate bei der Vergabe von Touristenvisa der Kategorie „C“ grundsätzlich von einer Ablehnung ausgehen, es sei denn, die Antragsteller können humanitäre Gründe oder enge familiäre Bindungen innerhalb der EU nachweisen. Mitgliedstaaten könnten weiterhin nationale Langzeitvisa für Studium oder Arbeit ausstellen, allerdings nur nach verstärkter Sicherheitsüberprüfung. Der tschechische Innenminister Vít Rakušan signalisierte Prags Unterstützung und bezeichnete die Maßnahme als „logische Fortsetzung unserer bestehenden Aussetzung von russischen Touristenvisa“. Tschechien hatte die Bearbeitung solcher Visa im März 2022 eingestellt, sieht aber weiterhin, wie Russen über andere Schengen-Staaten Visa erhalten und dann über den Terminal 1 des Prager Flughafens einreisen. Wirtschaftliche Folgen: Reiseveranstalter sollten mit einem starken Rückgang russischer Buchungen rechnen, während Hotels ihre Sommermarketing-Strategien neu ausrichten müssen. Im Gegenzug könnten tschechische Hersteller, deren Servicetechniker zu russischen Werken reisen, mit wechselseitigen Visaverzögerungen rechnen und sollten ihre Anträge frühzeitig stellen. EU-Diplomaten erwarten eine hitzige Debatte, da einige Mittelmeerstaaten um den Verlust wohlhabender Besucher fürchten. Eine qualifizierte Mehrheit könnte bereits im September zustande kommen, sofern der Block geschlossen bleibt.
Quelle: Euronews
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