
Prag machte den Weltflüchtlingstag (20. Juni 2026) zu einer stadtweiten Demonstration dafür, wie weit Tschechien bei der Integration von Neuankömmlingen gekommen ist – und wie viel noch zu tun bleibt. Bereits am Morgen richteten die Integrationszentren der Hauptstadt, die Stadt Prag und Dutzende NGOs auf dem Mariánské náměstí eine Pop-up-„Flüchtlingsstadt“ ein. An mobilen Ständen wurden Lebensläufe vor Ort übersetzt, Beratungen zur Anerkennung von Qualifikationen angeboten sowie rechtliche Beratung auf Ukrainisch, Russisch, Arabisch und Französisch bereitgestellt. Arbeitgeber von Škoda Auto bis zum Tech-Hub von Amazon in Prag besetzten Stände und führten Vorstellungsgespräche für mehr als 600 offene Stellen in IT, Logistik und Produktion. Seminare im Alten Rathaus behandelten praktische Fragen wie die Umwandlung des vorübergehenden Schutzstatus in einen längerfristigen Aufenthalt, die Anmeldung von Kindern in tschechischen Schulen und die Orientierung im Gesundheitssystem. UNHCR-Mitarbeiter lobten Tschechien – das die drittgrößte ukrainische Flüchtlingsbevölkerung in der EU beherbergt – dafür, dass es in nur zwei Jahren vom Notunterkunftsangebot zu Programmen für Arbeitsmarktintegration und Sprachförderung übergegangen ist. Gleichzeitig warnten sie vor einer Ermüdung bei der Finanzierung, da die EU-Mittel für Integration ab 2027 zurückgehen werden. Kommunale Vertreter nutzten die Gelegenheit, um die nationale Regierung aufzufordern, einen festen Anteil der Arbeitssteuer-Einnahmen für lokale Integrationsprojekte zu reservieren. Ein begleitendes Kulturprogramm – Foodtrucks von syrischen, georgischen und ukrainischen Köchen, Konzerte von Flüchtlingsmusikern und ein gemeinsamer Auftritt des Prager Symphonieorchesters mit dem Afghanischen Frauenorchester – zog Tausende Einwohner an. Die Veranstalter berichteten von der stärksten Beteiligung seit dem ersten Weltflüchtlingstag in Prag 2017. Für Arbeitgeber war die Veranstaltung eine Chance, mehrsprachige Talente zu entdecken, gerade jetzt, wo Tschechien erneut unter chronischem Arbeitskräftemangel leidet. Für Flüchtlinge und andere Drittstaatsangehörige bot sie Klarheit über sich schnell ändernde Regelungen, wie die numerischen Codes auf tschechischen Aufenthaltstiteln (erweitert am 1. Juni 2026) und das neue digitale „Ausländer-Konto“, das ab August für die meisten Anträge verpflichtend wird. Der stellvertretende Bürgermeister Prags für soziale Angelegenheiten fasste den Tag zusammen: „Integration ist keine Wohltätigkeit – sie ist eine Investition in die zukünftige Arbeitskraft der Stadt.“
Quelle: Praha – Metropole všech
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