
Belgien erwachte am 8. Juli zu einem koordinierten dreitägigen Streik, angeführt von den drei größten Gewerkschaftsbünden des Landes – FGTB/ABVV, CSC/ACV und CGSLB/ACLVB – als Protest gegen geplante Lohn- und Rentenkürzungen im Bundeshaushalt 2027–29. Laut AK&M strömten am ersten Tag über 100.000 Demonstranten nach Brüssel, während Streikposten an den Flughäfen Zaventem und Charleroi sowie in Bahnhöfen und Busdepots präsent waren. Am Flughafen Brüssel wurden mehrere Frühflüge gestrichen oder starteten ohne aufgegebenes Gepäck, nachdem das Ladepersonal die Arbeit niedergelegt hatte. Der nationale Bahnoperator SNCB/NMBS fuhr einen Notfahrplan, und die Brüsseler Verkehrsgesellschaft STIB meldete zeitweise Blockaden in Depots. Die Luftfahrtbehörde gab NOTAMs heraus, die auf mögliche Personalengpässe bei Fluglotsen hinwiesen, obwohl Eurocontrol bisher keine Beeinträchtigung des Flugverkehrs meldete. Die Gewerkschaften werfen Premierminister Bart De Wevers Koalition vor, die Haushaltskonsolidierung auf dem Rücken der Arbeitnehmer durch Lohnindexdeckelung und Anhebung des gesetzlichen Rentenalters für bestimmte Gruppen durchzusetzen. Die Regierung argumentiert, dass die Schuldenquote von derzeit 104,7 % des BIP kaum Alternativen zulasse. Die Verhandlungen im Nationalen Arbeitsrat waren letzte Woche gescheitert, was den Weg für den Streik frei machte. Geschäftsreisende sollten bis zum 10. Juli mit anhaltenden Störungen rechnen. Eurostar warnte bereits vor Verzögerungen am Brüssel-Midi-Bahnhof; mehrere multinationale Unternehmen im EU-Viertel der Hauptstadt haben auf Homeoffice umgestellt. Firmen, die Schlüsselpersonal innerhalb Belgiens verlegen, wird empfohlen, auf Taxi- oder Fahrdienste umzusteigen und Hotelbuchungen zu bestätigen, da auch die Gewerkschaften des Reinigungspersonals beteiligt sind. Obwohl Streiks in Belgien keine Seltenheit sind, ist die Bandbreite der betroffenen Sektoren – Luftfahrt, Bahn, Gesundheitswesen, Bildung und kommunale Dienste – die größte Mobilisierung seit der Pandemie. Beobachter sehen in der Auseinandersetzung einen möglichen Einfluss auf die Haushaltsverhandlungen im Herbst und auf ausländische Investoren, die das Arbeitsklima in Belgien bewerten.
Quelle: AK&M Newswire
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