
Spät am 10. Juli enthüllte die politische Tageszeitung „Corriere della Sera“ interne Zahlen aus dem Palazzo Chigi, die einen deutlichen Rückgang der irregulären Ankünfte über das Meer zeigen: 12.000 in der ersten Hälfte des Jahres 2026 im Vergleich zu 26.000 im Vorjahr. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Innenminister Matteo Piantedosi teilten den Ministern mit, dass sie die Landungen 2026 auf 30.000 begrenzen und 10.000 Rückführungen durchführen wollen, gestützt auf Abkommen mit Libyen und Tunesien sowie neue EU-Rückführungsregeln, die im Juni verabschiedet wurden. Verantwortliche führen den Rückgang auf härtere Strafen für Schleuser, erweiterte Haftkapazitäten durch das Dekret 100/2026 und externe Bearbeitungszentren in Albanien zurück. Kritiker weisen darauf hin, dass die Zahlen schwanken – wie die jüngste Welle auf Lampedusa zeigt – und warnen, dass eine Fokussierung auf Abschreckung die Integrationsplanung vernachlässigen könnte. Für Arbeitgeber bedeutet der geringere irreguläre Zustrom eine stärkere Abhängigkeit von legalen Wegen wie den Flussi-Quoten, innerbetrieblichen Versetzungen und dem neuen Digital-Nomaden-Visum. Sollte die Regierung ihr Rückführungsziel erreichen, könnte die Nachfrage nach ausländischen Saisonarbeitskräften in Landwirtschaft und Gastgewerbe das Angebot übersteigen, was den derzeit im Parlament geprüften Quotenplan für 2026–28 unter Druck setzt. Meloni hat eine Kommunikationsoffensive angeordnet, um „Angst durch Fakten zu ersetzen“, da erwartet wird, dass Migration den Wahlkampf 2027 dominieren wird. Akteure im Bereich Mobilität sollten mit beschleunigten Zeitplänen für das nächste Quoten-Dekret und möglichen Verschärfungen bei den derzeit im Ausschuss diskutierten Regelungen zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft rechnen.
Quelle: Corriere della Sera