
Zum ersten Mal in seiner 35-jährigen Geschichte wird die satirische Ig-Nobel-Preisverleihung nicht in den USA, sondern in der Schweiz stattfinden, gaben die Veranstalter am 10. März 2026 bekannt. Dieser Schritt verdeutlicht, wie die verschärften US-Visakontrollen die Organisation internationaler Konferenzen und die akademische Mobilität verändern. Zeremonienleiter Marc Abrahams erklärte gegenüber der Associated Press, dass „es für unsere Gäste unsicher geworden ist, das Land [USA] zu besuchen“, und verwies auf Berichte, wonach Teilnehmer zu politischen Ansichten befragt und in einigen Fällen aufgrund neuer Einwanderungsprüfungen die Einreise verweigert wurde. Um Ausfälle zu vermeiden, schloss das Organisationsteam eine Partnerschaft mit der ETH Zürich und der Universität Zürich, um die Preisverleihung am 3. September 2026 in der Tonhalle der Stadt auszurichten – und künftig alle zwei Jahre dort stattfinden zu lassen. Die langjährige Schweizer Politik der Visafreundlichkeit für wissenschaftliche Veranstaltungen machte das Land zur logischen Alternative. Forschende aus über 40 Ländern werden nun Kurzaufenthalts-Schengenvisa beantragen oder visafrei reisen, wobei biometrische Daten im EU-Einreise-/Ausreisesystem erfasst werden, jedoch ohne die zusätzliche ideologische Überprüfung, die manche in den USA erfahren haben. Die lokalen Behörden rechnen mit einem Zustrom von 1.200 Delegierten sowie Medienvertretern, was voraussichtlich Einnahmen von rund 3 Millionen CHF für Hotels und Konferenzen generieren und Zürichs Ruf als Wissenschaftsstandort stärken wird. Die Stadt ist bereits Gastgeber der Open-Forum-Sitzungen des Weltwirtschaftsforums und mehrerer Life-Sciences-Kongresse. Koordinatoren für akademische Reisen beobachten einen breiteren Trend: Die Ablehnungsquote von US-Visa für Wissenschaftler aus Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens stieg 2025 stark an, was Veranstalter dazu zwang, Europa – insbesondere die Schweiz, die Niederlande und Deutschland – als neutrale Austragungsorte in Betracht zu ziehen. Die Vorhersehbarkeit der Visabearbeitung ist inzwischen ein entscheidendes Kriterium bei der Standortwahl, neben Infrastruktur und Sponsoring. Für Mobilitätsexperten bietet die Verlegung nach Zürich ein Beispiel dafür, wie Veranstaltungsorte diversifiziert werden können, um geopolitische Risiken zu minimieren. Arbeitgeber, die Mitarbeiter zur Preisverleihung entsenden, sollten sicherstellen, dass deren Reisedaten EES-konform sind und Schengen-Visumstermine frühzeitig buchen, da die Nachfrage im Sommer, insbesondere im Juli, ihren Höhepunkt erreicht.
Quelle: SWI swissinfo.ch
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