
Brasilien hat am 11. Mai 2026 die lang erwartete gegenseitige Visafreiheit für Inhaber gewöhnlicher chinesischer Reisepässe eingeführt – ein Novum für eine bedeutende lateinamerikanische Volkswirtschaft, die damit erstmals Festlandreisenden visafreien Zugang gewährt. Gemäß der interministeriellen Verordnung im brasilianischen Amtsblatt dürfen chinesische Besucher bis zum 31. Dezember 2026 ohne Visum nach Brasilien einreisen, um dort touristische, geschäftliche, künstlerische oder sportliche Aktivitäten auszuüben. Der Aufenthalt ist pro Besuch auf maximal 30 Tage begrenzt, mit einer kumulierten Höchstdauer von 90 Tagen innerhalb von 12 Monaten. Verlängerungen sind nicht möglich; wer arbeiten, studieren oder länger bleiben möchte, muss weiterhin die entsprechenden Genehmigungen einholen. Die Regelung ist ausdrücklich gegenseitig: China hat seit Juni 2025 auf Visa für brasilianische Staatsbürger verzichtet und diese Maßnahme kürzlich bis Ende 2026 verlängert. Laut Brasiliens Vizepräsident Geraldo Alckmin bildet die Gleichbehandlung der Bürger beider Länder die Grundlage für engere wirtschaftliche, kulturelle und touristische Beziehungen – passend zum „China-Brasilien Kulturjahr 2026“. Chinesische Online-Reiseportale verzeichneten sofort einen starken Anstieg: Daten von Ctrip und Fliggy zeigen, dass die Suchanfragen für Flüge nach São Paulo und Rio de Janeiro letzte Woche um das bis zu 45-Fache gestiegen sind. Reiseveranstalter starteten umgehend wieder mehrtägige Südamerika-Pakete, die Brasilien mit Argentinien, Chile und Peru kombinieren. Zhou Weihong, stellvertretender Geschäftsführer von Spring Tour, berichtet, dass vor allem Familien- und „Silver-Ager“-Gruppen ihre Buchungen deutlich früher als üblich tätigen, da die Visahürde und die Gebühr von 160 US-Dollar entfallen sind. Für multinationale Unternehmen gehen die Auswirkungen über den Freizeit-Tourismus hinaus: Chinesische Tochterfirmen in Brasilien können nun Techniker und Vertriebsteams kurzfristig für bis zu einen Monat entsenden, was die Reaktionszeiten für After-Sales-Service und Produktpräsentationen erheblich verkürzt. Ebenso können brasilianische Agrar-Delegationen an Messen in Shanghai teilnehmen und visafrei zurückkehren. Logistikunternehmen rechnen damit, dass während der chinesischen Golden Week die Frachtflüge auf der Strecke Guangzhou–São Paulo verstärkt als Passagier-Fracht-Kombiflüge („Combi“) angeboten werden, was die Sitzplatzkapazität weiter erhöht. Verantwortliche für Unternehmensmobilität sollten ihre Reisegenehmigungsprozesse anpassen: Zwar ist kein Konsularstempel mehr erforderlich, doch müssen Reisende einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass sowie Nachweise über Weiter- oder Rückflugtickets vorlegen. Versicherungsgesellschaften erinnern zudem daran, dass Brasilien weiterhin Gelbfieberimpfnachweise für Einreisende aus bestimmten afrikanischen und südamerikanischen Ländern verlangt – Reisende mit Doppelreiserouten sollten ihre Gesundheitsdokumente daher sorgfältig prüfen.
Quelle: China.com / Economic Observer
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