
Die Europäische Kommission bestätigte am 14. Mai 2026, dass sie plant, Taliban-Vertreter zu „technischen Gesprächen“ nach Brüssel einzuladen, um die Rückführung afghanischer Staatsangehöriger zu besprechen, denen kein rechtlicher Aufenthalt in den EU-Mitgliedstaaten zugestanden wird. Die Verhandlungen – koordiniert mit Schweden und unterstützt vom belgischen Einwanderungsamt – wären das erste Mal, dass Taliban-Beamte seit der Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 in die de facto EU-Hauptstadt reisen. Belgien ist in dieser Angelegenheit eng eingebunden. Im Januar reiste eine gemeinsame EU-belgische Delegation unter Leitung von Freddy Roosemont, Generaldirektor des Einwanderungsamts, nach Kabul, um die Zusammenarbeit bei Rückführungslogistik zu erkunden. Die belgische Ministerin für Asyl und Migration, Anneleen Van Bossuyt, bezeichnete ein Folgetreffen in Brüssel später als „wichtigen und notwendigen nächsten Schritt“, um festgefahrene Rückführungen zu lösen und den Druck auf Europas Asylsysteme zu verringern. Belgien verzeichnete 2025 fast 3.000 neue Asylanträge von Afghanen – damit sind sie die zweitgrößte Antragsgruppe im Land. Menschenrechtsorganisationen reagierten scharf. Amnesty International Belgien warnte, dass „kein glaubwürdiger Überwachungsmechanismus existiert, der die Sicherheit der Rückkehrer garantiert“ und verwies auf UN-Berichte, wonach zwangsweise zurückgeführte Afghanen willkürlicher Inhaftierung und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind. Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten des Europäischen Parlaments (LIBE) kündigte für Ende Mai eine Dringlichkeitssitzung an, um Migrationskommissar Magnus Brunner zur rechtlichen Grundlage für die Ausstellung „außergewöhnlicher Visa“ an ein von der EU nicht anerkanntes Regime zu befragen. Für globale Mobilitätsmanager signalisiert dieser Schritt, dass Brüssel bereit ist, pragmatisch mit international isolierten Behörden zusammenzuarbeiten, um Abschiebungen zu beschleunigen. Unternehmen, die afghanische Staatsangehörige in Belgien beschäftigen, sollten die Debatte aufmerksam verfolgen: Ein verschärftes Rückführungsumfeld könnte humanitäre Aufenthaltstitel erschweren und reputationsbezogene Fragen für Firmen aufwerfen, die afghanische Talente unterstützen. Reisende müssen zudem mit verstärkten Dokumentenkontrollen an Flügen über den Flughafen Brüssel rechnen, sobald eine Taliban-Delegation eintrifft, da die belgische Bundespolizei bei hochrangigen Besuchen üblicherweise die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Sollten die Gespräche stattfinden, könnten sie einen Präzedenzfall für ähnliche EU-Verhandlungen mit anderen nicht anerkannten Regierungen schaffen – was Europas Rückführungsarchitektur grundlegend verändern und eine neue geopolitische Risikodimension für die Mobilitätsplanung hinzufügen könnte.
Quelle: Brussels Morning
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