
Der oberste Gerichtshof Spaniens hat das letzte unmittelbare rechtliche Hindernis für das außergewöhnliche Regularisierungsprogramm der Sánchez-Regierung beseitigt, das schätzungsweise 500.000 undokumentierten Migranten Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse gewähren könnte. In zwei Urteilen vom 28. Mai 2026 lehnte die Verwaltungsabteilung des Tribunal Supremo die Aussetzung des im April erlassenen Königlichen Dekrets ab, das das beschleunigte Verfahren einführte. Die rechtsextreme Partei Vox und die Gemeinschaft Madrid hatten argumentiert, dass der Plan das Wählerverzeichnis verzerren und die öffentlichen Dienste überlasten würde. Fünf der sieben Richter widersprachen dem und stellten fest, dass keine der Behauptungen durch Beweise gestützt werde und dass sich demografische Auswirkungen nur allmählich zeigen würden. Sie hoben das „besonders qualifizierte öffentliche Interesse“ und das „menschliche Substrat, das über rein wirtschaftliche Überlegungen hinausgeht“, hervor und betonten, dass eine Aussetzung des Verfahrens die Irregularität verlängern und das Risiko von Arbeitsausbeutung erhöhen würde. Das Gericht wies zudem die Klagebefugnis dreier konservativer zivilgesellschaftlicher Gruppen gegen das Dekret zurück, was den Weg für die Umsetzung weiter ebnet. Zwei abweichende Richter äußerten in einer Minderheitenmeinung, dass die Maßnahme einer „administrativen Amnestie“ gleiche und einer genaueren Prüfung bedürfe, wurden jedoch überstimmt. Praktisch bedeutet die Entscheidung, dass Antragsteller, die nachweisen können, seit dem 1. Januar 2026 in Spanien zu leben, ihre Unterlagen bis zur Frist am 30. Juni weiterhin einreichen können. Nach Genehmigung erhalten die Begünstigten eine vorläufige NIE-Nummer und sofortige Arbeitserlaubnis, während ihre vollständige Aufenthaltserlaubnis bearbeitet wird. Arbeitgeber, insbesondere in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und in der häuslichen Pflege, bereiten bereits Rekrutierungsketten vor, und Sozialversicherungsbehörden rechnen mit bis zu einer Milliarde Euro zusätzlichen jährlichen Beiträgen, falls die volle halbe Million reguliert wird. Für Personal- und Global-Mobility-Teams schafft das Urteil Rechtssicherheit: Unternehmen können legal Mitarbeiter im Rahmen des Programms einstellen, ohne Angst vor einer mittelfristigen Stornierung zu haben. Mobility-Berater sollten jedoch die kommenden Umsetzungsanweisungen und die Kapazitäten der regionalen Terminvergabe im Auge behalten, da einige Polizeibehörden für Ausländerangelegenheiten von einer fünffachen Zunahme der Nachfrage nach Fingerabdruckterminen berichten.
Quelle: El País / La Sexta
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