
Urlauber, die am 30. Mai 2026 auf den Kanarischen Inseln ankamen, mussten sich an der Passkontrolle bis zu drei Stunden in Warteschlangen einreihen, da das neue Ein- und Ausreisesystem der EU (EES) mit dem Ansturm der Hochsaison nicht zurechtkam. Die Olive Press berichtete von Frust am Flughafen Gran Canaria, wo die neu installierten biometrischen Kioske mehrfach ausfielen und Nicht-EU-Passagiere – vor allem Briten – gezwungen waren, Fingerabdrücke und Gesicht mehrfach zu scannen. Das seit dem 10. April an allen Schengen-Außengrenzen vollumfänglich eingesetzte EES erfasst Ein- und Ausreisen aller Drittstaatsangehörigen, um die 90/180-Tage-Regel durchzusetzen. Obwohl das System Betrug reduzieren soll, wird die Einführung in Spanien durch Personalmangel und technische Probleme an den verkehrsreichsten Flughäfen erschwert. Daten von Aena zeigen, dass allein auf den Kanaren zwischen Juni und September mehr als sechs Millionen Nicht-EU-Ankünfte erwartet werden, was das Risiko eines Imageschadens erhöht – gerade weil der Tourismus dort 35 % des BIP ausmacht. Lokalpolitiker der Mitte-rechts-Partei Partido Popular fordern Madrid auf, dem Beispiel Griechenlands zu folgen und die EES-Verarbeitung im Sommer auszusetzen. Ryanair unterstützt diese Forderung und warnt, dass anhaltende Verzögerungen zu Boykottaufrufen unter britischen Reisenden führen könnten, die jährlich rund 3,5 Milliarden Euro zur spanischen Tourismuswirtschaft beitragen. Das Innenministerium hat bisher lediglich Flughäfen daran erinnert, dass besonders schutzbedürftige Passagiere bei Wartezeiten über 25 Minuten manuell abgefertigt werden können. Für Geschäftsreisende lautet die Empfehlung: längere Umsteigezeiten einplanen und, wenn möglich, kleinere Flughäfen wie Valencia oder Sevilla nutzen, die kürzere EES-Warteschlangen melden. Vielflieger, die ihre biometrischen Daten bereits registriert haben, sollten den Nachweis der Anmeldung bereithalten, da Berichte von wiederholten Nachregistrierungen berichten, die pro Passagier fünf Minuten zusätzlich kosten. Unternehmen mit vielen britischen Entsandten könnten zudem über Branchenverbände eine vorübergehende Ausnahmeregelung ähnlich der in Griechenland anstreben. Technisch könnte Spanien bei der Europäischen Kommission eine Notfall-Ausnahmeregelung von bis zu sechs Wochen beantragen, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Ob dies geschieht, hängt davon ab, ob sich die Engpässe von Gran Canaria auf die Flughäfen Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat während des Juni-Feiertagsansturms ausweiten. Bis dahin sollten Reisende mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein und darauf achten, dass ihr Pass mindestens eine freie Seite für biometrische Stempel hat, um die manuelle Abfertigung zu beschleunigen.
Quelle: The Olive Press