
Nur wenige Stunden nachdem die Europäische Kommission ihre Stellungnahmen veröffentlicht hatte, brachte der österreichische öffentlich-rechtliche Sender ORF eine prominente Schlagzeile: „Appell zum Ende der Schengen-Grenzkontrollen“ – und rückte das Thema damit ins Zentrum der heimischen Nachrichtenlage. Der Bericht hob hervor, dass Brüssel alternative Maßnahmen wie nicht-systematische Polizeikontrollen und mobile biometrische Tools für besser geeignet hält, die Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Freizügigkeit einzuschränken. In Österreich fiel die Reaktion schnell aus. Die Industriellenvereinigung (IV) warnte, dass langwierige Kontrollen die exportorientierte Wirtschaft Österreichs gefährden, da zwei Drittel des Warenverkehrs des Landes auf dem Straßenweg durch benachbarte EU-Staaten abgewickelt werden. Vertreter der Tourismusbranche ergänzten, dass Busunternehmen, die Donaukreuzfahrten bedienen, bei Strecken von Salzburg nach Wien aufgrund von Staus an slowakischen oder ungarischen Grenzübergängen zusätzliche 40 Minuten einplanen müssen. Oppositionsparteien griffen die Erkenntnisse der Kommission auf und warfen der Koalitionsregierung „Symbolpolitik“ vor, die kleine Grenzgemeinden belastet, in denen Pendler täglich zur Arbeit über die Grenze fahren. Die grüne Abgeordnete Katharina Plach forderte eine Parlamentsdebatte vor der Sommerpause und schlug vor, künftige interne Kontrollen gesetzlich auf maximal 30 Tage zu begrenzen, sofern das Parlament nicht zustimmt. Innenminister Gerhard Karner verteidigte die derzeitige Verlängerung um sechs Monate, die bis Mitte September laufen soll, mit dem Hinweis auf anhaltende sekundäre Migration entlang der Balkanroute. Gleichzeitig ließ er eine „gestufte Lockerung“ offen, falls die Zahlen bei irregulären Einreisen weiter rückläufig bleiben. Beobachter sehen den Druck wachsen, einen Fahrplan zu entwickeln, der Sicherheit mit der wirtschaftlichen Notwendigkeit verbindet, Österreichs Grenzen reibungslos offen zu halten.
Quelle: ORF.at
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