
Weniger als 24 Stunden nach der Räumung der Fahrbahn kündigten die Organisatoren des Brennerpass-Protests am Samstag an: „Wir werden es wieder tun – und zwar bald.“ Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner, erklärte gegenüber dem Corriere dell’Alto Adige, die Aktion habe „europäische Schlagzeilen gemacht“ und die Bereitschaft der Einheimischen gezeigt, drastische Maßnahmen zur Reduzierung des Transitverkehrs zu akzeptieren. Mit inzwischen 14,4 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, die durch das Tal rollen, klagen die Anwohner über Dieselpartikelwerte weit über den EU-Grenzwerten und tägliche Staus, die das Dorfleben lähmen. Die konservative Landesregierung Tirols steht vor einem Dilemma: Landeshauptmann Anton Mattle nahm privat an der Kundgebung teil, doch Wien befürchtet, dass wiederholte Sperrungen einer TEN-T-Kernnetzverbindung gegen EU-Freizügigkeitsregeln verstoßen und Entschädigungsforderungen von Spediteuren nach sich ziehen könnten. Die italienische Provinz Bozen sorgt sich unterdessen um wirtschaftliche Schäden für ihre Logistikzentren und den Tourismussektor. Die Euregio-Versammlung von Tirol, Südtirol und Trentino trifft sich am 3. Juni, wobei die Blockade ganz oben auf der Tagesordnung steht. Mobilitätsmanager in Unternehmen sollten sich auf einen unsicheren Sommer einstellen: Aktivisten planen neue Demonstrationen für die traditionellen Transit-Hochzeiten Ende Juli und Mitte August. Firmen, die Just-in-Time-Komponenten zwischen bayerischen Fabriken und norditalienischen Zulieferern transportieren, sollten ihre Lagerpuffer überprüfen und den Umstieg auf Bahntransporte über den Brenner-Basistunnel in Erwägung ziehen. Reiseveranstalter, die Busgruppen nach Italien bringen, müssen möglicherweise über den Reschen- oder Felbertauerntunnel umleiten, was bis zu drei Stunden Mehrfahrtzeit bedeutet. Interessierte können bis zum 28. Juni Stellungnahmen zum Tiroler Entwurf der „Transitreduktionsverordnung“ einreichen. Der Vorschlag sieht ab 2027 eine Begrenzung des Lkw-Verkehrs an Werktagen auf 300 Fahrzeuge pro Stunde vor, eine dynamische Maut, die an die Euro-Emissionsklassen gekoppelt ist, sowie eine verpflichtende Vorreservierung für Reisebusse. Rechtsteams sollten mögliche Vertragsverletzungsverfahren in Brüssel im Blick behalten und mögliche Kostensteigerungen in die Budgetplanung für 2027 einfließen lassen.
Quelle: Corriere dell’Alto Adige