
Um Mitternacht am 12. Juni trat das lang diskutierte Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) endlich als verbindliches Gesetz in der gesamten EU in Kraft. Die polnischen Medien griffen die Nachricht schnell auf: Gazeta.pl bezeichnete das Paket als „eine der größten Reformen des EU-Asylrechts“. Die Reform führt eine verpflichtende Vorprüfung irregulärer Ankünfte an den Außengrenzen ein, beschleunigte Verfahren für Antragsteller aus „sicheren“ Ländern sowie einen Solidaritätsmechanismus, der jedes Mitgliedsland verpflichtet, entweder Asylsuchende umzusiedeln, 20.000 Euro pro nicht aufgenommener Person zu zahlen oder operative Unterstützung zu leisten. Für Polen steht zunächst die Ausnahme von der Umsiedlungsquote im Vordergrund, die aufgrund der bereits aufgenommenen 1,2 Millionen ukrainischen Flüchtlinge gewährt wurde. Diese Ausnahme wird jedoch jährlich überprüft, weshalb Unternehmen, die auf grenzüberschreitende Talente angewiesen sind, die Verhandlungen zwischen Brüssel und Warschau genau verfolgen müssen. Arbeitgeber, die innerbetriebliche Versetzungen planen, sollten mit strengeren Identitätskontrollen an den belarussischen und ukrainischen Grenzen rechnen, da die neue Grenzverfahrensverordnung die Grenzbeamten verpflichtet, biometrische Daten zu erfassen und mit EU-Datenbanken abzugleichen, bevor die Einreise genehmigt wird. Juristische Berater weisen zudem darauf hin, dass das Paket die Rückkehrregeln modernisiert und damit die Aufenthaltsdauer von nicht kooperativen Personen nach einer negativen Entscheidung in Polen verkürzen könnte. Personalabteilungen werden daher aufgefordert, die Dokumentation von Drittstaatsangehörigen, deren Status von anhängigen Schutzverfahren abhängt, sorgfältig zu prüfen. „Es ist keine Revolution, aber es ändert viele Details im täglichen Umgang mit Fällen“, erklärt Mateusz Krępa vom Zentrum für Migrationsforschung der Universität Warschau. Für Geschäftsreisende wird sich kurzfristig vor allem durch sporadische Verzögerungen an den Landgrenzen bemerkbar machen, während die Beamten sich mit den neuen IT-Abläufen vertraut machen. Fluggesellschaften haben keine Änderungen im Flugplan angekündigt, doch Reiseverantwortliche sollten in der Sommer-Hauptreisezeit mehr Zeit für die Einreise in den Schengen-Raum einplanen. Mittelfristig wird erwartet, dass die GEAS-Datenbanken mit dem Ein- und Ausreisesystem (EES) sowie der kommenden ETIAS-Reisegenehmigung integriert werden – eine weitere Compliance-Ebene, die multinationale Unternehmen im Blick behalten müssen.
Quelle: Gazeta.pl / Next
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