
In einem späten Interview am 15. Juni erklärte die finnische Außenministerin Elina Valtonen gegenüber dem Moskauer Büro von RT, Europa dürfe in diesem Sommer „kein Spielplatz für russische Urlauber“ werden. Sie forderte die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Anforderungen für die Erteilung von Schengen-Visa an russische Staatsbürger angesichts der anhaltenden Sicherheitsbedenken nach Russlands Invasion in der Ukraine zu verschärfen. Finnland hat bereits 2023 die Ausstellung von Touristenvisa für Russen ausgesetzt und beschränkt die Einreise weitgehend auf humanitäre oder familiäre Gründe. Valtonen plädiert jedoch für einen koordinierten EU-weiten Ansatz, um „Visa-Shopping“ über weniger restriktive Konsulate zu verhindern. Sie argumentierte, dass unterschiedliche nationale Praktiken die Einheit der Sanktionen untergraben und Finnlands östliche Landgrenze unnötig belasten. Eine Verschärfung auf EU-Ebene könnte höhere Nachweispflichten, längere Bearbeitungszeiten und im Extremfall die Aktivierung des Visumsverzichts-Aussetzungsmechanismus der EU umfassen. Brüsseler Beamte erklärten bisher lediglich, dass das Thema „geprüft“ werde. Für Mobility-Manager sind diese Äußerungen eine frühe Warnung: Russische Mitarbeiter oder Kunden, die in diesem Sommer Zugang zum Schengen-Raum suchen, könnten mit verstärkter Kontrolle oder sogar Ablehnungen rechnen, selbst wenn ihre Reisen geschäftlich begründet sind. Unternehmen sollten längere Vorlaufzeiten einplanen und sich darauf vorbereiten, stärkere Nachweise zum Reisezweck, zu Verbindungen nach Russland sowie zu einer Reise-Krankenversicherung vorzulegen. Sollte sich auf EU-Ebene ein Konsens abzeichnen, könnte Finnland seine bestehenden Richtlinien erneut anpassen, möglicherweise die wenigen verbliebenen Ermessens-Touristenvisa streichen oder die Gültigkeit von Mehrfacheinreisen einschränken. Multinationale Unternehmen mit russischen Niederlassungen sollten die Entwicklungen sowohl über finnische als auch EU-Kanäle genau verfolgen.
Quelle: RT (Russian-language)