
Das italienische Kabinett hat einen Entwurf für ein „decreto sicurezza“ fertiggestellt, das die Abschiebungen von irregulären Migranten drastisch beschleunigen und vorübergehende administrative Schließungen von Häfen erlauben würde, die unter „außergewöhnlichem Migrationsdruck“ stehen. Der am 7. Juli von La Sicilia geleakte und analysierte Text wird als Italiens Umsetzung des neuen EU-Pakts für Migration und Asyl dargestellt, geht jedoch weit über die Mindeststandards Brüssels hinaus. Wichtige Bestimmungen umfassen beschleunigte Abschiebeverfahren für Ausländer, die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden, erweiterte Befugnisse für Präfekten, um sofortige Haft bis zur Abschiebung anzuordnen, sowie einen Mechanismus, der dem Innenministerium erlaubt, Rettungsschiffe oder andere Schiffe für bis zu sechs Monate aus den italienischen Hoheitsgewässern auszusperren. Das Dekret schränkt zudem die Anspruchsvoraussetzungen für ergänzenden Schutz ein, verschärft die Kriterien für Familienzusammenführungen und sieht vor, Asylprüfungen an sogenannte „sichere Drittstaaten“ auszulagern – ein Modell, das an die UK-Ruanda-Vereinbarung erinnert. Verfassungsrechtler haben bereits die Vereinbarkeit dieser Maßnahmen mit Italiens Verpflichtungen aus der EU-Charta und dem internationalen Flüchtlingsrecht infrage gestellt. Für globale Mobilitätsteams bedeutet dies vor allem eine weniger vorhersehbare Compliance-Situation für Nicht-EU-Mitarbeiter mit laufenden Strafverfahren oder Aufenthaltsverlängerungen. Arbeitgeber sollten zusätzliche Ressourcen für rechtliche Unterstützung einplanen und beobachten, ob Präfekturen künftig ergänzende Dokumente anfordern. Politische Analysten gehen davon aus, dass das Gesetz dank der Regierungsmehrheit problemlos das Parlament passieren wird, doch der Staatspräsident könnte Änderungen verlangen, falls verfassungsrechtliche Bedenken bestehen bleiben. Unternehmen sollten den Gesetzgebungsprozess genau verfolgen – ein Inkrafttreten könnte bereits im September erfolgen und damit mit der Verlängerungssaison für Tausende von Permessi di Soggiorno zusammenfallen.
Quelle: La Sicilia