
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) veröffentlichte am 16. Juli 2026 seine monatlichen Asylstatistiken und bestätigt damit eine deutliche Entspannung des Asyldrucks in der Schweiz. Laut den Zahlen wurden zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 9.734 Asylgesuche eingereicht – 1.907 weniger als im gleichen Zeitraum 2025, was einem Rückgang von 16 % entspricht. Allein im Juni suchten 1.777 Personen Asyl, ein Rückgang von 20 % im Jahresvergleich. SEM-Analysten führen den Abwärtstrend vor allem auf den starken Rückgang der Bootsankünfte an Italiens Südküste sowie auf die weiterhin sinkende Zahl von Gesuchen türkischer Staatsangehöriger zurück. Afghanistan blieb dennoch das wichtigste Herkunftsland (456 Gesuche im Juni), gefolgt von Eritrea, Algerien, der Türkei und Somalia. Rund 80 % aller Gesuche im Juni waren „Primärgesuche“ (Erstanträge), der Rest entfiel auf Familiennachzug, in der Schweiz geborene Kinder oder Wiederholungsgesuche. Die Behörde entschied im Juni 2.235 Fälle in erster Instanz und gewährte in knapp einem Drittel Schutz. Zudem wurden 872 Personen ohne Aufenthaltsrecht aus der Schweiz entfernt; 527 verließen das Land freiwillig, 345 wurden zwangsweise in ihr Herkunftsland, den zuständigen Dublin-Staat oder ein sicheres Drittland zurückgeführt. Für Arbeitgeber und kantonale Behörden deuten die Zahlen darauf hin, dass die Kapazitäten der Aufnahmezentren während der sommerlichen Reisespitze überschaubar bleiben, was das Risiko von Notunterkünften verringert, die die lokale Arbeitsmarktplanung erschweren können. Unternehmen sollten dennoch plötzliche Anstiege im Zusammenhang mit geopolitischen Krisen aufmerksam beobachten, da das SEM betont, dass „Migrationsbewegungen sich schnell verändern können“. Aus politischer Sicht untermauert die Veröffentlichung die Argumentation des Bundesrats, dass die jüngsten Verfahrensreformen – wie beschleunigte Erstinstanzentscheide und erweiterte Rückkehrhilfen – Wirkung zeigen. NGOs warnen jedoch, dass sinkende Zahlen nicht automatisch eine schnellere Integration anerkannter Flüchtlinge bedeuten, von denen viele weiterhin mit Engpässen bei Sprachkursen und der Anerkennung beruflicher Qualifikationen kämpfen.
Quelle: Swiss Federal Council / SEM
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