
Passagiere aus Nicht-EU-Ländern am Flughafen Václav Havel in Prag berichteten am 16. September von Wartezeiten von bis zu drei Stunden, da die Grenzbeamten mit der Hochsaison und Anlaufschwierigkeiten beim neuen EU-Einreise-/Ausreisesystem (EES) zu kämpfen hatten. Das EES erfasst Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen von Drittstaatsangehörigen und verlängert die Abfertigungszeit um bis zu 45 Sekunden pro Reisendem – ein Engpass, der sich schnell vervielfacht, wenn innerhalb weniger Minuten drei Langstreckenflüge landen. Eine tschechische Passagierin erzählte der Tageszeitung iDNES, dass ihr Ehepartner mit israelischem Pass die EES-Kontrollen erst durchlaufen konnte, nachdem sie „fast so lange gewartet hatte wie unser Flug von Tel Aviv“. Auch kanadische Reisende aus Toronto beklagten ähnliche Verzögerungen. Fluggesellschaften warnen ihre Kunden inzwischen vor längeren Wartezeiten und raten Reisenden mit knappen Anschlusszügen, großzügigere Zeitpuffer einzuplanen. Die Flughafenleitung rechnet damit, dass sich die Situation nach der Fertigstellung des 290 Millionen CZK teuren Ausbaus der Passkontrolle in Terminal 1 im April 2027 entspannt, wenn zusätzliche automatisierte E-Gates in Betrieb genommen werden. Kurzfristig plant die Polizei jedoch, während der Stoßzeiten vier zusätzliche manuelle Kontrollschalter einzurichten und bei Bedarf Beamte von weniger frequentierten Schengen-Gates umzudisponieren. Geschäftliche Auswirkungen: Unternehmen, die enge Tagespläne für ankommende Führungskräfte organisieren, sollten ihre Reisepläne überdenken oder auf Schengen-Drehkreuze wie Frankfurt, München oder Wien mit Anschlusszug umsteigen. Reiseleiter sollten die Live-Flugverfolgung im Blick behalten und Reisenden raten, bei Ankunft aus Nicht-EU-Ländern mindestens zwei Stunden vom Landen bis zum Verlassen des Flughafens einzuplanen. Das tschechische Innenministerium kündigte an, die Passagierflussdaten im kommenden Monat zu analysieren und gegebenenfalls Ausnahmeregelungen zu beantragen, die es Fluggesellschaften erlauben, biometrische Daten bereits an den Abflughäfen zu erfassen – ein Verfahren, das in Lissabon und Amsterdam bereits erprobt wird.
Quelle: iDNES.cz